Warum tut Putin nichts?

Diese Frage ist derzeit in verschiedenen Blogs und vor allem Kommentaren zu lesen. Was wird aus der Ankündigung, zurück zu schlagen?

Nun, ein Aspekt könnte sein, dass Wladimir Putin Judoka ist. Judo – der sanfte Weg. Wobei das „Do“, der Weg, für den Lebensweg steht. Dies sollte neben Schach auch in Betracht gezogen werden. Schauen Sie sich Judo-Kämpfe an. Wie lange es dauert, sich den Gegner zurecht zu stellen, bis er zu Fall gebracht wird. Jedoch sehen Sie in diesem Fall zwei Judoka gegeneinander antreten. Interessanter ist die äußerst seltene Gelegenheit, einen Judoka bei einer Kneipenschlägerei zu erleben. Um das Wissen der eigenen Fähigkeiten werden viele Provokationen hingenommen. Wenn das nicht zum Ende der Provokationen führt, beginnt das Zurechtstellen des Kneipenschlägers. Der Ort wird so gewählt, dass die eigenen Techniken am Besten eingesetzt werden können. Wenn es sich also vermeiden lässt, nicht zwischen Tisch und Stuhl. Dort, wo der Kneipenschläger die Bedienungen vorgibt, lässt sich nur reagieren. Zum eigenen agieren muss Ort und Zeitpunkt stimmen. Und diesen bestimmt einzig und allein der Judoka. Und die Aktion erfolgt im bestem Fall so, dass die Reaktion nur noch in der Aufgabe besteht.

Nun übertragen wir das auf die Situation in Syrien. Russland, Iran und Syrien werden von den Kneipenschlägern geschubst, geschlagen und getreten. Was haben diese drei Staaten dagegen unternommen? Mit dem direkten militärischen Einschreiten Russlands wurde schrittweise die Situation in Syrien stabilisiert und für einen sicheren Stand gesorgt. Die Provokationen der Kneipenschläger werden mehr und mehr als solche wahrgenommen und als solche benannt. Das Problem liegt jedoch darin, dass die Kneipenschläger die Zeugen über die Jahre derart eingeschüchtert haben, dass ihre Aussagen von den Zeugen übernommen werden. Aus Angst vor Repressalien, wenn sie das tatsächliche Gesehene erzählen, oder weil sie einen Nutzen für sich selbst darin sehen, die Kneipenschläger zu unterstützen. Die Kneipenschläger haben zudem die Kameras auf das Geschehen gerichtet. Es muss nur noch auf den Auslöser gedrückt werden, wenn die Provokationen endlich Wirkung zeigen und zurück geschlagen wird. Alles ist vorbereitet, um die Täter-Opfer-Rolle zu tauschen.

Es ist ein Zeichen von Stärke, in dieser Situation die Ruhe zu bewahren, Provokationen abzuwehren oder zum Teil schmerzlich einzustecken. Es ist ein Zeichen von Stärke, nur mit dem nötigsten Mitteln zurück zu schlagen. Die Zeugen müssen für sich selbst erkennen, dass die Kneipenschläger nicht mehr die Macht haben, sie einzuschüchtern und dass sie aus deren Provokationen keinen eigenen Nutzen mehr ziehen können. Erst dann werden die Zeugen gegen die Kneipenschläger aussagen. Erst dann wird der Tausch von Täter und Opfer nicht mehr möglich sein. Erst dann werden die Provokationen aufgezeichnet.

Und der Gegenschlag? Man macht etwas nicht besser, wenn man die gleichen Mittel nutzt, wie der Gegner. Es hat keinen Sinn, den Kneipenschläger blutig zu schlagen und alle Knochen zu brechen. Das sind die Mittel des Kneipenschlägers. Mehr kann er nicht. Der Judoka hat mehrere Techniken den Kneipenschläger zu Fall zu bringen und zu würgen. Und weil durch die Wurf- und Würgetechniken beim Kneipenschläger keine sichtbaren Verletzungen vorhanden sind, hat noch nicht einmal jemand mit ihm Mitleid. Er hat verloren und hat sich nicht verletzt, obwohl er mit all seiner Kraft zuschlug. Eine Demütigung, die erst einmal verdaut werden muss.

Ist der Zeitpunkt schon gekommen, dass vor allem der „Wertewesten“ erkennen und benennen will, wer der Aggressor ist? Wenn Sie die Frage mit NEIN beantworten, wissen Sie, warum Russland, Iran und Syrien so dezent auf die Provokationen reagieren. Warum zum jetzigen Zeitpunkt dem Aggressor lediglich auf die Finger gehauen wird.

Zum Abschluss ein bereits ins Deutsche übersetzter Auszug aus Wladimir Putins Pressekonferenz 2017, als er eine Frage der Presseagentur AP bezüglich Nordkorea beantwortete. Meines Erachtens ein Sinnbild für die aktuellen Geschehnisse um das Atomabkommen mit dem Iran:

Kate De Pury: Kate De Pury, Associated Press,.

(In Russisch): Wenn ich darf, werde ich meine Frage auch auf Englisch stellen.

(Auf Englisch): Die USA wollen, dass Russland mehr tut, um Nordkorea davon zu überzeugen, seine Raketenprogramme einzustellen. Würde Russland härtere Sanktionen gegen Nordkorea unterstützen? Und glauben Sie, dass die Zusammenarbeit in Nordkorea die amerikanisch-russischen Beziehungen verbessern könnte? Oder haben Sie die Hoffnung verloren, sie unter Herrn Trump zu heilen? Vielen Dank.

Wladimir Putin: Sie sind so interessante Menschen. Ist Ihnen aufgefallen, dass die Mitglieder des US-Kongresses und des Senats so hübsch aussehen und wunderschön gekleidet sind? Sie scheinen intelligente Menschen zu sein. Sie haben uns auf die gleiche Stufe mit Nordkorea und dem Iran gestellt, und gleichzeitig bringen sie den Präsidenten dazu, uns zu überreden, die Probleme Nordkoreas und des iranischen Atomprogramms gemeinsam mit Ihrem Land anzugehen.

Was ist los mit ihnen? Sie müssen zustimmen, dass dies seltsam klingt, und dass es irgendwie über den gesunden Menschenverstand hinausgeht. Im Gegensatz zu einigen Ländern fehlt es unserer Politik jedoch meist an politischen Überlegungen zur Zeitplanung.

Wir versuchen, konstruktiv mit allen zu den aktuellsten Fragen im Bereich der internationalen Sicherheit zusammenzuarbeiten. Wir versuchen, nicht zu schmollen und keinen Anstoß zu nehemen bezüglich Entscheidungen, die wir manchmal nicht verstehen.

In Bezug auf Nordkorea ist unsere Position bekannt: Wir erkennen Nordkoreas Atomstatus nicht an. Wir glauben, dass alles, was dort stattfindet, kontraproduktiv ist.

Ich habe das bereits gesagt, und ich möchte Ihnen noch einmal sagen, dass die betroffenen Parteien 2005 mit Nordkorea ein Abkommen über die Beendigung seines Atomwaffenprogramms geschlossen haben. Nordkorea übernahm gewisse Verpflichtungen. Jeder stimmte zu und unterzeichnete diese Vereinbarungen.

Nur einige Monate später entschieden die Vereinigten Staaten, dass diese Abkommen nicht genug waren. Die US-Seite fror prompt die Konten der nordkoreanischen Banken ein und sagte, dass Nordkorea außerhalb dieser Abkommen etwas anderes tun müsse.

Aber Nordkorea beschloss, das nicht zu tun und zog sich aus all diesen Abkommen zurück und begann erneut, sein Atomprogramm weiterzuentwickeln. Warum haben sie das getan? Haben sie gedacht, das ist nicht genug? Warum haben Sie dann die Vereinbarungen unterschrieben, wenn Sie dachten, es sei nicht genug? In Wirklichkeit haben Sie Nordkorea provoziert, sich zurückzuziehen. Später verschärfte sich auch die Situation mit Libyen und dem Irak noch weiter. Ich habe viele Male darüber gesprochen.

Nordkorea sieht keine andere Möglichkeit der Selbsterhaltung, außer der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen und Raketentechnologie. Wie Sie sehen können, sind ihre verbesserten Raketen jetzt in der Lage, die Vereinigten Staaten zu treffen. Gibt es in dieser Situation etwas Gutes?

Wir glauben, dass beide Seiten aufhören müssen, die Spannungen zu erhöhen. Irgendwann hörten wir von unseren amerikanischen Partnern, dass sie Militärübungen abbrechen würden. Nun, sie haben eine andere Übung gemacht, und die Nordkoreaner haben ihre Raketen wieder gestartet. Diese Spirale muss enden, weil sie extrem gefährlich ist.

Wir haben mit unseren amerikanischen Partnern gesprochen. Angenommen, die Vereinigten Staaten starten einige Angriffe mit hoch präzisen nicht-nuklearen Waffen, welche Ziele werden angegriffen? Wissen die CIA oder die Defense Intelligence Agency genau, welche Ziele und wo sie mit einem einzigen Schlag getroffen werden müssen?

Natürlich nicht, weil Nordkorea ein ummauertes Land ist. Sie kennen einige, und sie haben keine Ahnung von anderen. Und selbst ein nordkoreanischer Raketenstart hätte verheerende Folgen. Ich wiederhole, die Folgen wären katastrophal.

Ja, die Vereinigten Staaten haben bereits Atomwaffen gegen Japan eingesetzt. Ich glaube nicht, dass es gerechtfertigt war. Jetzt gibt es absolut keine Notwendigkeit dafür. Es ist wichtig, sehr vorsichtig zu sein.

Herr Tillerson hat kürzlich gesagt, dass die Vereinigten Staaten bereit sind, direkte Kontakte zu knüpfen. Dies ist eine sehr gute Nachricht, die zeigt, dass einige Veränderungen unter den US-Staats- und Regierungschefs und im Außenministerium stattfinden und dass sie gewisse Fakten erkennen werden, hoffentlich zusammen mit den US-Geheimdiensten und dem Pentagon.

Wenn wir auf der Grundlage des gesunden Menschenverstandes vorgehen, werden wir selbstverständlich in all diesen Fragen mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten, einschließlich Nordkorea. [1]

Ein Vergleich zwischen der Situation in Korea seit Anfang 2017 bis heute, mit der Situation im Iran um den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen, lässt mich positiv in die Zukunft schauen.


Quellenverzeichnis:

[1] http://en.kremlin.ru/events/president/news/56378

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