Nordkoreagipfel mit den USA geplatzt

Nun hat also Donald Trump den Gipfel mit Nordkorea platzen lassen. Ausgerechnet zu der Zeit, in der Nordkorea sein Atomwaffentestgelände zerstört hat. 

Recht ungewöhnlich, dass solche Briefe veröffentlicht werden. Was schrieb er da?

Seine Exzellenz
Kim Jong Un
Vorsitzender der Kommission für Staatsangelegenheiten
der Demokratischen Volksrepublik Korea
Pjöngjang

Sehr geehrter Herr Vorsitzender:

Wir schätzen Ihre Zeit, Geduld und Mühe in Bezug auf unsere jüngsten Verhandlungen und Diskussionen im Zusammenhang mit einem Gipfel, den beide Seiten lange gesucht haben und der am 12. Juni in Singapur stattfinden sollte. Uns wurde mitgeteilt, dass das Treffen von Nordkorea gefordert wurde, aber das ist für uns völlig irrelevant. Ich habe mich sehr darauf gefreut, bei Ihnen zu sein. Aufgrund der enormen Wut und offenen Feindseligkeit, die in Ihrer jüngsten Erklärung aufgezeigt werden, halte ich es für unangemessen, dieses lang geplante Treffen zu diesem Zeitpunkt zu veranstalten. Bitte lassen Sie diesen Brief also stellvertretend dazu dienen, dass der Gipfel von Singapur zum Wohle beider Seiten, aber zum Nachteil der Welt, nicht stattfinden wird. Sie sprechen über nukleare Fähigkeiten, aber unsere sind so massiv und mächtig, dass ich zu Gott bete, dass sie nie benutzt werden müssen.

Ich fühlte, dass sich ein wunderbarer Dialog zwischen Ihnen und mir aufbaute, und letztendlich ist nur der Dialog von Bedeutung. Eines Tages freue ich mich sehr darauf, Sie kennen zu lernen. In der Zwischenzeit möchte ich Ihnen für die Freilassung der Geiseln danken, die jetzt bei ihren Familien zuhause sind. Das war eine schöne Geste und wurde sehr geschätzt.

Wenn Sie Ihre Meinung mit diesem wichtigsten Gipfel ändern, zögern Sie bitte nicht, mich anzurufen oder zu schreiben. Die Welt und insbesondere Nordkorea haben eine große Chance für dauerhaften Frieden und großen Wohlstand und Reichtum verloren. Diese verpasste Gelegenheit ist ein wirklich trauriger Moment in der Geschichte.

Mit freundlichen Grüßen,

Donald J. Trump
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika

Zuvor hatte er bereits Kim Jong Un für den Fall, dass kein Deal zustande kommt, die Entmachtung nach libyschen Vorbild angedroht. [1] Das libysche Modell ist vereinfacht dargestellt, Luftschläge durch eine „internationale Koalition“ gegen Ziele der unliebsamen Regierung, also des „Regimes“, sowie die Bewaffnung von Terroristen, die als sogenannte „Freiheitskämpfer“ die Demokratie, also den Tod vieler Menschen, in das Land bringen. Einer der auf diese Weise demokratisierten Menschen ist dann immer auch das Staatsoberhaupt.

Im Falle Nordkoreas sind zumindest die Luftschläge rein praktisch kein Problem. Marschflugkörper können aus sicherer Entfernung seitens der USA abgefeuert werden. Die Luftwaffe kann ebenfalls Angriffe fliegen. Nordkorea wird allerdings zum Einen solche Angriffe abwehren. Das nordkoreanische Militär erachte ich als wesentlich besser aufgestellt, als das libysche. Zum Anderen ist Südkorea gar nicht so weit weg. Südkorea würde sofort angegriffen werden und hätte fast keine Reaktionszeit für Abwehrmaßnahmen.

An das Ausrüsten von Terroristen zur Ausführung der Drecksarbeit brauche ich gar nicht viele Gedanken verschwenden. Einsickern lassen in nordkoreanisches Staatsgebiet gestaltet sich allein geografisch gesehen äußerst schwierig. Und geeignetes nordkoreanisches Personal wird aus der vom Staat bereitgestellten Zelle (Gefängnis) nicht viel ausrichten können.

Es kann also keinem Land dieser Region an einem libyschen Modell gelegen sein. Das weiß auch Donald Trump und ein zerstörtes Atomwaffentestgelände bedeutet auch noch lange nicht, dass Nordkorea keine Atomwaffe mehr besitzt. Was wird also passieren. Man redet miteinander. Und wenn die USA nicht mitreden, vereinbart man einfach Dinge, die nicht von den USA diktiert werden. So hatte Donald Trump bereits China und Südkorea wieder zu Freunden gemacht.

Was sagt eigentlich der grüne Arm der CIA zu der ganzen Entwicklung. Der außenpolitische Sprecher der GRÜNEN Omid Nouripour hatte sich wieder gegenüber der Heilbronner Stimme geäußert. Mal sehen, was er zu sagen hatte:

 „Trump hat zwei massive Fehler gemacht, dieselben wie beim Iran. Erstens: Trump hat wiederholt und sehr laut öffentlich gesagt, dass Nordkorea nur eingelenkt hat, weil er Druck gemacht hat. Das ist das Gegenteil von gesichtswahrendem Handeln. Zweitens: Trump wollte das Ergebnis der Gespräche vorwegnehmen und als Bedingung den Gespräche voranstellen. So kann man aber nicht verhandeln in der Weltpolitik. Das ist eine massive Verkennung der eigenen Grenzen und einfach nur größenwahnsinnig.“ …

„Der südkoreanische Präsident hat bisher sehr geschickt agiert. Auch dessen Bemühungen sind durch Trump bedroht. Die Trump-Regierung trampelt hier auf den Erfolgen anderer Regierungen herum. Er muss nun erklären, warum er meint, dass Nordkorea die Schuld trägt am Verpassen einer historischen Chance.“ …

„Die Absage lässt auch sehr Schlimmes erahnen für den Konflikt mit dem Iran. Denn die Methode Trump ist zum Scheitern verurteilt. Die Trump-Administration versteht nur die Sprache des Drucks, sie kennt als diplomatisches Instrument offenkundig derzeit nur die Sanktion. In dem Rückzug der USA steckt aber auch eine Chance. Dann müssen eben andere die Probleme lösen: Wir Europäer, aber auch China, Südkorea und Japan.“ [2]

Donald Trump macht alles falsch. Aufgrund seiner „größenwahnsinnigen“ Fehler wird das Problem durch die regionalen Spieler geklärt und die USA stehen außen vor. So ein Mist aber auch. Jetzt haben die USA gar keinen Einfluss mehr auf die Verhandlungen. Und das Gleiche macht er mit dem Iran. Etwas trotzig kommt sein letzter Satz daher, dass die Probleme dann eben durch andere gelöst werden müssen. 

Meiner Meinung resultiert Donald Trumps Politik aus dem Erkennen der eigenen Grenzen. Hier kann US-Politik nichts mehr ausrichten. Für das Land USA und dessen Bevölkerung sind die Kosten zu hoch und bringen keinen Gewinn. „Kümmert euch selbst darum. Und ihr, die ihr immer so schön kostensparend von unseren kostspieligen Interventionen profitiert habt, ihr sollt jetzt die Zeche dafür zahlen.“


Quellenverzeichnis:

[1] http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-droht-kim-jong-un-mit-libyen-modell-a-1208365.html

[2] https://www.politikexpress.de/heilbronner-stimme-omid-nouripour-zum-geplatzten-nordkorea-gipfel-trump-verkennt-massiv-die-eigenen-grenzen-so-kann-man-nicht-verhandeln-in-der-weltpolitik-1614066.html

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