sekundäres Ertrinken

Badespaß mit den Kleinsten. Ein wunderschönes Erlebnis. Die Freude, wenn das Wasser spritzt. Im 40 bis 50 cm tiefen Wasser kein Problem. Doch dann kommt, was kommen muss. Das Kind rutscht aus und befindet sich plötzlich unter Wasser. Sofort zurück an die Wasseroberfläche geholt hustet das Kind und schnappt nach Luft. Der besorgte Blick der Mutter wird vom Vater bestätigt. „Hast du auch schon einmal etwas vom sekundären Ertrinken gehört?“ natürlich hat man davon schon etwas gehört, sich aber nicht damit beschäftigt. Man war schließlich nicht betroffen. Man hat nur gehört, dass Kinder mehrere Stunden nach Badeunfällen ertrinken und dadurch zu Tode kommen können. Also Suchmaschine der Wahl befragen. Und zugleich wird das ungute Gefühl bestätigt und schlägt in ernste Sorge um.

Suchergebnisse:

https://duckduckgo.com/?q=sekund%C3%A4res+ertrinken&t=fpas&ia=web

Focus:

Unterschätzte Gefahr: Kinder können auch nach dem Schwimmen noch ertrinken

Wenn Kleinkinder im Wasser plantschen, sollten Eltern besonders aufpassen, dass ihnen nichts passiert. Doch die Gefahr ist nicht immer gebannt, sobald die Kinder wieder an Land sind. Sogenanntes trockenes und sekundäres Ertrinken ist auch noch Tage nach dem Plantschen möglich.

• Wer beim Schwimmen Wasser einatmet, kann noch Tage später daran ertrinken.

• Die Symptome: Husten, Atemnot, Müdigkeit, Vergesslichkeit und Erbrechen.

• Trockenes und sekundäres Ertrinken sind allerdings extrem selten. [1]

Familie.de:

Sekundäres Ertrinken: Lebensgefahr nach dem Baden

Auch ein scheinbar harmloser Badeunfall kann lebensbedrohliche Folgen haben. Wie es zum Sekundären Ertrinken kommt und welche Symptome Sie als Eltern unbedingt kennen sollten. [2]

RTL:

Die unterschätze Gefahr: Kleinkind-Tod durch zweites Ertrinken

Der Sommer ist da! Bei steigenden Temperaturen suchen immer mehr Deutsche die Abkühlung in Meer, See oder Freibad. Die schlechte Nachricht: Dabei häufen sich auch immer mehr Badeunfälle – teils mit tödlichem Ende. Besonders für Kinder birgt das nasse Vergnügen eine große Gefahr: Ertrinkungsunfälle sind eine der häufigsten Todesursachen bei Kleinkindern. Doch was viele Eltern nicht wissen: Ertrinken kann Ihr Kind auch außerhalb des Wassers. Verzögertes Ertrinken – auch sekundäres oder zweites Ertrinken genannt – ist eine oft unterschätze Gefahr für Kinder und fordert jedes Jahr zahlreiche Todesopfer. [3]

Bei diesen drei Beispielen möchte ich es erst einmal belassen. Die Häufigkeitsspanne reicht hier schon von „extrem selten“ (Focus) bis „zu zahlreichen Todesopfern“ (RTL). Um diesen Widerspruch zu erkennen ist die bereits eingetretene Angst um das eigene Kind viel zu groß. Und die genannten Symptome treffen sogar zum Teil auch zu.

Die in den Artikeln vorgebrachten Symptome lauten:

Husten – ja logisch. Das Kind hat sich verschluckt. Natürlich hustet es. Natürliche Schutzreaktion.

Müdigkeit – das Kind hat im Wasser gespielt und ist erschöpft. Natürlich wird es dadurch schneller ermüden.

Vergesslichkeit – ja super, bei einem 2 – 4 Jahre alten Kind Vergesslichkeit einschätzen.

Erbrechen und Atemnot – das hier sind die beiden Symptome, die ich als schwerwiegend betrachten würde, welche nicht mit einfachem Verschlucken nach ungewolltem Untertauchen in Verbindung stehen.

Das Drama um Frankie

Taucht man tiefer in die Artikel ein, stellt man fest, dass sich der überwiegende Teil der Artikel auf ein Ereignis in den USA beruft. Dort ist ein vierjähriger Junge in seinem Bett aufgrund sekundärem Ertrinken verstorben. Der Junge aus Texas wurde im Meer von einer Welle unter Wasser gespült. Dies hätte er laut zugrunde liegenden Berichten aus den USA gut überstanden, verstarb aber eine Woche später in seinem Bett aufgrund eines Lungenödems, hervorgerufen durch in die Lunge geratenen Salzwassers. Im weiteren Verlauf dieses Artikels der Neuen Osnabrücker Zeitung wird sich auf Aussagen von Achim Wiese von der DLRG (Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft) berufen. So wird geraten immer einen Arzt aufzusuchen, wenn dass Kind mit den Atmungsorganen unter Wasser war. Den jeder noch so harmlos wirkende Badeunfall kann tückisch sein. Was an dieser Stelle auffällt ist, dass Achim Wiese bei diesen Aussagen gar nicht zitiert wird. Als Zitat gekennzeichnet wurde folgendes:

„Während ein Mensch bei primären Ertrinken zumeist noch im Wasser oder kurz nach dem Badeunfall an Sauerstoffmangel verstirbt, tritt der Tod beim sekundären Ertrinken erst später ein“ […] „Alles scheint gut zu sein, das Kind wurde ja aus dem Wasser gezogen und wirkte fit“ […]„Wichtig ist, dass man dort [beim Arzt] sagt, dass das Kind mit den Atemorganen unter Wasser war, denn dann wissen die Ärzte, wonach sie suchen müssen.“ […] „Menschen, die Wasser in die Lunge bekommen haben, entwickeln oftmals spezifische Anzeichen, die einen aufmerksam machen sollten. Dazu gehören Übelkeit, Durchfall, Unruhe, blaue Lippen, Hustenreiz und eine röchelnde Atmung“ […] „Spätestens wenn diese Symptome auftreten, ist der Gang zum Arzt Pflicht.“ [4]

Was hat er nun gesagt? Man soll bei jedem harmlos wirkenden Badeunfall zu Arzt gehen? Oder wenn man zu Arzt geht, auf den Badeunfall hinweisen und spätestens bei Auftreten der spezifischen Symptome einen Arzt aufsuchen? Die Symptome wurden noch um Durchfall, Unruhe, blaue Lippen und röchelnde Atmung erweitert.

Die DLRG ist die Organisation, die aufgrund ihrer Tätigkeit die wohl größte Expertise auf dem Gebiet der Badeunfälle vorzuweisen hat. Die Suche nach sekundärem Ertrinken und DLRG führte mich zu einem Vortrag von der Kinder- und Jugendärztin Dr. med. Cornelia Thüner. In diesem wird sekundäres Ertrinken als das Versterben nach Ablauf von 24 Stunden aufgrund auftretender Komplikationen – vor allem pulmonaler Art – trotz zunächst erfolgreicher Reanimation definiert. [5] Dem genannten Vortrag liegt ihre Diplomarbeit zugrunde, in der ein 311 Kinderkliniken zugesandter Fragebogen zu Ertrinkungsunfällen ausgewertet wurde. Der Rücklauf erbrachte Ergebnisse zu 735 behandelten Ertrinkungsunfällen in den Jahren 1995 und 1996. Sekundäres Ertrinken beruht auch hier zumeist auf pulmonalen Komplikationen. Bei Kindern in erster Linie das sekundäre Atemnotsyndrom (ARDS = adult respiratory distress syndrome), was in 0,4 % – 1,1 % der Fälle auftritt. Die Mortalitätsrate beträgt in diesen Fällen 55 % – 85 %. In dieser Studie starben 38 von 734 Kindern später als 24 Stunden nach dem Eintauchunfall. Der Definition nach sekundäres Ertrinken, da die 24-Stunden-Frist abgelaufen war. Ist das aber vergleichbar mit Frankie Delgado? Aufgrund der Eintauchunfälle wurden diese Kinder bereits mit pulmonalen und / oder neurologischen Defiziten in eine Klinik eingeliefert und konnten trotzdem nicht mehr am Leben erhalten werden. Bei 37 der 38 sekundär ertrunkenen Kinder wurde bereits vor Einlieferung in die Klinik Herz-Lungen-Wiederbelebung durchgeführt und 33 Kinder wurden vor der Einlieferung in die Klinik intubiert. [6]

Kinderarzt Prof. Hans-Jürgen Nentwich ging ebenfalls auf den Fall des vierjährigen Jungen aus Texas ein und klärte über die Gefahren des sekundären Ertrinkens auf. Nur zwei Milliliter Wasser pro kg Körpergewicht in der Lunge können gefährlich werden. In seiner 40jährigen Klinikerfahrung, u.a. als Leiter der Kinderklinik in Zwickau, wurde ihm kein einziger solcher Fall bekannt. [7]

Also lohnt ein Blick auf den Fall des vierjährigen Frankie Delgado. Was passierte, wird wie folgt beschrieben:

Frankie Delgado was playing in knee-deep water during a Memorial Day weekend trip to Texas City Dike when a wave from a distant ship knocked him over and his head went under, said his father, Francisco Delgado Jr. A family friend picked him up, and Frankie said he was OK. [8]

Am Wochenende des Memorial Days befand sich der vierjährige Junge im Wasser. Eine Bugwelle eines entfernten Schiffes erfasste den Jungen und drückte ihn unter Wasser. Ein Freund der Familie holte ihn wieder heraus und Frankie sagte, dass er OK sei. Die Fragen, wie lange er unter Wasser war, ob er Wasser aspirierte oder ob er reanimiert werden musste, bleiben offen. Der Artikel beschreibt in der Folge nur noch die Symptome des sekundären Ertrinkens und das Ableben des Jungen. In anderen Artikeln ist die Rede davon, dass die Ärzte im Krankenhaus Wasser in der Lunge und rund um das Herz festgestellt hatten. [9] Im Endeffekt nichts genaues, aber sekundäres Ertrinken ist ganz gefährlich.

Unfallort war der Texas City Dike. Es handelt sich um den weltweit längsten künstlich aufgeschütteten Damm, der das Festland vor Abtragung durch das offene Meer schützt. Dort war der Junge mit seiner Familie baden. Jedoch stellt sich mir die Frage, wo waren Vater oder Mutter. Der Junge wurde von einem Freund der Familie aus dem Wasser geholt. Waren die Eltern dabei, als der Junge von der Welle erfasst wurde. Nirgends werden Angaben gemacht, wie Erste Hilfe geleistet wurde oder ob diese überhaupt nötig war. Das einzige, was fest steht ist, dass sich der Kopf des Jungen im salzigen Meerwasser befand und er mit fremder Hilfe wieder aus dem Wasser heraus geholt wurde.

Schutzmechanismen

Wie schützt sich ein Kind vor dem Ertrinken? Das liegt an den Voraussetzungen. Zunächst einmal kann ein Kind ab einem Alter von vier Jahren das Schwimmen erlernen. Also genau das Alter, welches der Junge aus Texas erreicht hatte. Um schwimmen zu lernen, muss das Tauchen unter Wasser gelernt werden. Reiner Cherek schreibt dazu in Bezug auf Tauchen bei Säuglings- und Kleinkinderschwimmen:

Bis etwa zum 6. Monat reagiert ein Säugling beim Tauchen mit einer Reduktion der Herztätigkeit und einem Atemstopreflex, der etwa nach 20 Sekunden wieder eine normale Atmung zulässt. Ältere und „Tauch erfahrene“ Kinder benutzen diesen Reflex nicht mehr, da infantile Reflexe durch Wiederholung gelernt werden und dann nicht mehr in der ursprünglichen Form genutzt werden. Diese Kinder müssen über „Klassisches Konditionieren“ lernen, sich nicht zu verschlucken.

So lange dieser Schutz noch nicht richtig erlernt ist, nutzen diese Kinder den LRC-Reflex (Laryngeal Apneic Reflex; Kehlkopfreflex), der die Stimmritze und den Kehlkopfeingang schließt, wenn der Rachen gereizt wird. Bei wiederholtem Tauchen wird der LRC-Reflex nicht mehr genutzt und die Kinder schützen sich wie Ältere durch Luftanhalten. Wichtig ist darauf hinzuweisen, dass sich die Kinder anfangs verschlucken können. [10]

Das heißt also für den vierjährigen Frankie, dass er, wenn schon Schwimm- bzw. Taucherfahrungen vorgelegen hätten, sich mittels Luftanhalten hätte schützen können. Lägen keine solchen Erfahrungen vor, wäre es zum einen unverantwortlich, den Jungen im offenen Meer nicht an der Hand, bzw. in unmittelbarer Reichweite mit Sichtkontakt zu haben. Zum anderen hätte der LRC-Reflex gegriffen, der durch Verschluss von Kehlkopfdeckel und Stimmritze die Aspiration von Wasser verhindert hätte und lediglich zu einem Verschlucken geführt hätte.

Möglich ist auch, dass ein Laryngospasmus (Glottis- oder Stimmritzenkrampf) eintritt. Aufgrund des krampfhaften Verschlusses der Stimmritze ist keine Atmung mehr möglich und der Betroffene erstickt unter Wasser, ohne das Wasser in die Lunge gelangt. Wird ein Mensch in diesem Zustand gerettet und ggf. wiederbelebt, ist sekundäres Ertrinken aufgrund von Wasser in der Lunge nicht möglich.

Was von diesen Schreckensmeldungen unter anderen im Jahre 2017 bzgl. des verstorbenen vierjährigen Jungen Frankie zu halten ist, sagt Oberarzt Dr. Erik Teumann, Leiter der Wasserrettung des Arbeiter-Samariter-Bunds Österreich, der vor medialer Panikmache warnt.

„Ein kleiner Badeunfall wird mit ziemlicher Sicherheit folgenlos bleiben.“ [11]

Er kennt Fälle des sekundären Ertrinkens nur von Notfällen:

[…] bei denen Menschen beinahe ertrunken sind, aus dem Wasser geborgen und erfolgreich wiederbelebt wurden. In sehr seltenen Fällen betrifft es auch Kinder, die gerettet werden konnten, aber nicht bewusstlos waren. [12]

Dr. Martin Edlinger aus dem Klinikum Klagenfurt führt in einem Vortrag aus dem Jahre 2010 auf, dass es sich bei den Definitionen zu primären, sekundären und Beinahe-Ertrinken um alte Definitionen handelt. Der Ertrinkungsunfall definiert sich „neu“ durch Untertauchen in einem flüssigen Medium, wodurch eine Asphyxie hervorgerufen wird. [13]

Asphyxie durch Untertauchen in einem flüssigen Medium

Asphyxie beschreibt einen drohenden Erstickungszustand, hervorgerufen durch Absinken des arteriellen Sauerstoffgehalts und gleichzeitigem Steigen des Kohlendioxidgehaltes im Blut. [14]

Es handelt sich also nicht um ein ungewolltes Untertauchen, nach welchen man einfach wieder aufsteht oder an die Wasseroberfläche zurück geholt wird, hustet, weil man ein paar Tropfen Wasser verschluckt hat und danach alles gut ist. Nein, es ist ein drohender Erstickungszustand durch Absinken des Sauerstoffgehaltes und steigen des Kohlendioxidgehaltes im Blut notwendig. Halten Sie, lieber Leser, einfach beim Lesen dieser Zeilen die Luft an. Und? Drohen Sie schon zu ersticken? So schnell geht es also nicht. Und jetzt? Immer noch nicht? OK. Jetzt trotzdem wieder Atmen. Das Luftanhalten ist ein erlernter Schutzreflex, um ein Ertrinken zu verhindern. Kleinkinder können das noch nicht. Bei ihnen greift der genannte LRC-Reflex und / oder der Glottiskrampf. Dadurch wird die Luftröhre durch den Kehlkopf und die Stimmritze verschlossen. Vereinfacht gesagt Luftanhalten im Kehlkopfbereich, gesteuert durch unbedingte Reflexe. Und man kann sich dabei Verschlucken, was Reiner Cherek weiter oben bereits sagte. Fremdkörper, also auch Wasser, werden im Bronchialraum durch das Flimmerepithel wieder in Richtung Kehlkopf transportiert. Begleitet wird das Ganze durch Husten, sozusagen dem „Ersatzmotor“ dieses Reinigungsprozesses [15]. Kennt jeder. Erst wenn die Menge des in den Bronchialtrakt eingedrungen Wassers die Leistungsfähigkeit des Flimmerepithels und des Hustenreizes übersteigt, wird Wasser bis in die Alveole der Lunge vordringen. Dort unterbindet das Wasser den Gasaustausch in den betroffenen Regionen. Wie bereits genannt wird es gefährlich, wenn die Menge Wasser 2 ml/kg Körpergewicht erreicht. Bei einem 15 kg leichten Kleinkind ist das in der Tat nicht viel. Es kommt zur Asphyxie, da die Fläche für den Gasaustausch eingeschränkt wird, und somit nicht genügend Sauerstoff dem Blutkreislauf zugeführt und nicht genügend Kohlendioxid aus dem Blutkreislauf abgegeben werden kann. Je mehr Wassers eingedrungen ist, desto weniger Gasaustausch kann stattfinden, um so schneller tritt der Tod durch Herz-Kreislauf-Versagen ein. Dieses feuchte Ertrinken unterscheidet sich vom trockenen Ertrinken darin, dass der Gasaustausch durch das eingedrungene Wasser verhindert wird. Beim trockenen Ertrinken kann keine frische Atemluft aufgrund eines Laryngospasmus (Glottiskrampf) den Alveolen zugeführt werden. Der Gasaustausch ist eigentlich noch möglich, aber es kann nur der noch in der Lunge befindliche Sauerstoff in den Blutkreislauf aufgenommen werden, bis dieser aufgebraucht ist. Am Ende steht wieder Herz-Kreislauf-Versagen.

Der Präsentation von Dr. Martin Edlinger ist eine Grafik der Elsevier Inc. enthalten, die die Faktoren, welche mit dem Tod nach Eintauchvorfällen verbunden sind, beschreibt.

  1. Bei einem normalen Lungenbefund beträgt die geschätzte Sterblichkeit 0 %
  2. Bei einem abnormalen Lungenbefund beträgt die geschätzte Sterblichkeit < 1 %
  3. bei akutem Lungenödem beträgt die geschätzte Sterblichkeit 5 %
  4. bei Lungenödem und Hypotonie (niedriger Blutdruck) beträgt die geschätzte Sterblichkeit 20 %
  5. bei Atemstillstand beträgt die geschätzte Sterblichkeit 40 % -50 %
  6. bei Herzstillstand beträgt die geschätzte Sterblichkeit > 90 % [13]

Die Gefahr der Ausbildung eines Lungenödems ist bei Salzwasser wesentlich höher. Wie im Falle von Frankie Delgado, der im Salzwasser spielte und dieses in die Lunge bekam, wird durch Osmose ein Konzentrationsausgleich durchgeführt. Die hohe Salzkonzentration des Meerwassers wird durch das weniger salzhaltige Wasser im menschlichen Körper ausgeglichen, in dem Flüssigkeit in die Lunge diffundiert. Damit erhöht sich der Wassergehalt in der Luge. Bei Süßwasser ist dieser Effekt genau entgegengesetzt zu beobachten. Wasser diffundiert in den Blutkreislauf, verdünnt das Blut und die roten Blutkörperchen platzen. Zudem nimmt das Blutvolumen zu. Dies führt dann ebenfalls zu Herz-Kreislauf-Versagen und unweigerlich zum Tod. [16]

Fazit

Wie viel Angst müssen also Eltern vor dem sekundären Ertrinken ihrer Kinder haben?

Keine! Die Angst vor tatsächlichen Ertrinken sollte für den notwendigen Respekt und die notwendige Sorgfalt sorgen. Denn ohne Ertrinken kein sekundäres Ertrinken.

Denn wie oben gezeigt, lag bei den 38 nach 24 Stunden verstorbenen Kindern ein schwerwiegender Eintauchunfall vor. 37 wurde vor Ort reanimiert und 33 zusätzlich intubiert.
Sie sollen aber um die Gefährlichkeit des Mediums Wasser wissen. Denn in Wasser kann kein Mensch ohne Hilfsmittel atmen. Wer nicht schwimmen kann, hat im Wasser ohne einer „helfenden Hand“ an seiner Seite nichts zu suchen. Kleinkinder können sich selbst in 30 cm tiefen Wasser nicht selbständig an die Wasseroberfläche retten. Aufsicht ist durch keine Schwimmärmel oder ähnliches ersetzbar. Nach einem ungewollten Eintauchen in Wasser ist Husten eine natürliche Abwehrreaktion. Wenn nicht schon aufgrund des Badeunfalls der Rettungsdienst zum Einsatz kam, sind die folgenden Symptome zu beachten:

Husten – wenn es fortgesetzt auftritt oder später wieder einsetzt
Müdigkeit – über das normale Ausmaß hinaus
Vergesslichkeit
Erbrechen
Durchfall
Unruhe
Atemnot, blaue Lippen und röchelnde Atmung – deutliche Zeichen einer Asphyxie

Bei sich brechenden Wellen – meist im Meer – lauert eine weitere Gefahr. Diese ist aus der Seenotrettung bekannt. Menschen ertrinken trotz angelegter Rettungsweste und Kopf über dem Wasser. Bei einem Wasserschlag, wenn sich eine Wellen an der Front der Rettungsweste bricht und Mund und Nase umspülen, können Personen ohne weiteres 250 ml – 500 ml Wasser aspirieren. [17] 200 ml wären für eine 100 kg schwere Person der „Grenzwert“, ab dem es gefährlich wird. Vermutlich wurde auch Frankie Delgado solch ein Wasserschlag zum Verhängnis.

Wer jedoch zweifelt, sollte jedoch lieber einmal mehr zu Arzt gehen, als einmal zu wenig.


Quellenverzeichnis:

[1] https://focus.de/familie/videos/sekundaeres-ertrinken-unterschaetzte-gefahr-kinder-koennen-auch-nach-dem-schwimmen-noch-ertrinken_id_4776132.html

[2] https://www.familie.de/gesundheit/sekundaeres-ertrinken-1135216.html

[3] https://www.rtl.de/cms/zweites-ertrinken-so-erkennen-sie-sekundaeres-ertrinken-bei-kleinkindern-2365483.html

[4] https://www.noz.de/deutschland-welt/familie/artikel/916305/junge-ertrank-im-bett-was-ist-sekundaeres-ertrinken

[5] https://www.dlrg.de/fileadmin/user_upload/DLRG.de/BAGEH/VortragTh_ner.pdf

[6] https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/opus4-wuerzburg/frontdoor/deliver/index/docId/917/file/all_together_docwork.pdf

[7] https://www.google.de/amp/s/amp.mz-web.de/leben/gesundheit/warnzeichen-erkennen-vierjaehriger–ertrinkt–eine-woche-nach-badeausflug-im-bett-27785434

[8] https://edition-m.cnn.com/2017/06/09/health/texas-toddler-dry-drowning/index.html

[9] http://popculture.com/trending/2017/06/10/watch-family-warns-of-dry-drowning-following-childs-death-days-a/

[10] http://www.cherek-reiner.de/mediapool/116/1169702/data/tauchen.pdf

[11] https://gothaer-maklerblog.de/2017/08/24/unfallrisiko-sekundaeres-ertrinken/

[12] https://www.derstandard.de/story/2000061484914/im-bett-ertrinken-ist-das-moeglich

[13] http://www.lkhf.at/redaktion/uploads/files/541133cf4407f1a80d185d786dcb90/ertrinkungsunfall.pdf

[14] http://flexikon.doccheck.com/de/Asphyxie

[15] https://www.lungenaerzte-im-netz.de/unsere-atemwege/aufbau/die-schleimhaut-der-atemwege/

[16] http://tauchen.marcus-haas.de/Medizin/Ertrinken

[17] http://dr-kohfahl.de/praxis-wissenswertes/segler_seenot.pdf

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