Russlands Fußballer gedopt? (2)

Die WM läuft nun ohne die Sbornaja weiter, jedoch laufen die Dopinganschuldigungen unvermindert weiter. Wie kann man auch nur als Mannschaft auf Platz 70 der Fifa Weltrangliste liegend ins Viertelfinale einziehen. [1] Die „Laufwunder“ aus Russland müssen also gedopt sein.


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Quelle: https://de.fifa.com/worldcup/statistics/ (Abruf am 9. Juli 2018, Turnier noch nicht beendet)

Auf die Laufstatistik war ich in meinem ersten Beitrag zum Thema eingegangen. Da war Aleksandr Golovin nach 2 Spieltagen der Laufstärkste. Jetzt, nachdem die Mannschaften fünf Spiele absolvierten, ist wieder ein Russe laufstärkster Spieler. Roman Zobnin lief bereits 63 (oder 62 km) km bei 510 Minuten Spielzeit [2]

510 Minuten Spielzeit entsprechen 5,67 Spielen, da die Sbornaja zwei Mal in die Verlängerung musste. Damit kamen zusätzliche 60 Minuten hinzu. Lediglich Kroatien musste von den acht Mannschaften im Viertelfinale zwei Mal in die Verlängerung. Von der Seite her wird es schwierig, die Laufleistungen zu vergleichen.

Roman Zobnin lief bei fünf Spielen im Durchschnitt 12,6 km. Er hatte aber aufgrund der der beiden Verlängerungen im Durchschnitt 12 Minuten mehr Zeit diese Distanz zu laufen, als Spieler, die keine Verlängerung spielten. Soll ein Vergleich auf 90 Minuten Spieldauer gezogen werden, müsste mit 5,67 Spielen gerechnet werden. Da kommt er nur noch auf 11,11 km. Im Vergleich dazu nochmal die im ersten Beitrag gezeigten Werte von der deutschen Spieler Toni Kroos, Joshua Kimmich und Thomas Müller auf den Durchschnitt pro Spiel herunter gerechnet:

Toni Kroos – 11,18 km,

Joshua Kimmich – 11,38 km,

Thomas Müller – 10,73 km.

Da diese drei Spieler logischer Weise in Dopingfragen über jeden Zweifel erhaben sind, stellt sich für mich die Laufleistung von Roman Zobnin als völlig normal dar.

So ein ähnliches Zahlenspiel hatte der Spiegel auf die Bundesligasaison 2013/2014 durchgeführt, in deren Anschluss Deutschland Fußballweltmeister wurde. Die größte Laufleistung legte Christoph Kramer zurück. Sie erinnern sich, Christoph Kramer war es, der im Rahmen der Berichterstattung sagte, dass man bei der Vorgeschichte schön blöd sein müsste zu dopen. Er lief in der Hinrunde 204,3 km. Das sind immerhin 17 Spiele, nicht nur fünf bei einer Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land. Die Spiegelredaktion rechnete den Wert auf 90 Minuten Spielzeit hoch und kam auf 13,1 km pro Spiel [Anm.: tatsächlicher Durchschnitt 12,02 km]. Die zweitbeste Laufleistung verzeichnete Andre Hahn mit 200,1 km, mit nur 16 Spielen. [3] Das macht einen Schnitt von 12,525 km pro Spiel.

Dann noch ein kurzer Blick in die anderen Mannschaften des Viertelfinales.

In der belgischen Mannschaft spielte nur der Torhüter alle fünf Spiele. Von denjenigen, die vier Mal auf dem Platz standen und über 90 Minuten spielten, legte Thomas Meunier die größte Distanz mit 46,5 km zurück. [4] Dies bedeutet im Schnitt 11,63 km pro Spiel.

Die englische Mannschaft musste ein Mal in die Verlängerung. Jesse Lingard lief in 4 Spielen (er kommt Aufgrund von Auswechslung und Verlängerung auf 362, statt 360 Spielminuten) 46,1 km. [5] Damit erreichte er einen Schnitt von 11,46 km pro Spiel.

In der Mannschaft Uruguays spielte Matias Vezino fünf Mal und legte 52,4 km zurück. Jedoch spielte er nicht die volle Spieldauer und kommt somit auf die Spielzeit 416 Minuten (4,62 Spiele) gerechnet auf einen Schnitt von 11,34 km. [6]

So weit, so gut. Die Daten zur Laufdistanz lassen meines Erachtens nach keinen Rückschluss auf Doping zu. Die zurück gelegten Kilometer durch Roman Zobnin sind bedingt durch zwei Verlängerungen und keinen Auswechslungen natürlich enorm. Auf Durchschnittswerte pro Spiel herunter gebrochen ist diese Leistung immer noch im oberen Bereich anzusiedeln, jedoch ganz und gar nichts außergewöhnliches.

Nimmt man sich nochmal die Daten Aleksandr Golovin vor, könnte man aufschrecken. Vier Spiele, 54,8 km. Das sind 8,3 km mehr, als es der Belgier Thomas Meunier schaffte. Betrachtet man aber, dass Golovin im Gegensatz zu Meunier 402 Minuten, statt nur 360 Minuten spielte und setzt das ins Verhältnis, landet Aleksandr Golovin bei einem Schnitt von 12,27 km*. [7] Das ist nichts, was Christoph Kramer oder Andre Hahn nicht auch schafften.

In eine andere Kategorie fällt die Anschuldigung gegen Artem Dsjuba. Bei ihm wird am 7. Juli 2018 bei der Süddeutschen über einen verdächtigen Einstich in der Ellenbeuge berichtet, den der Spieler während seines Torjubels nach einem verwandelten Elfmeter gegen Spanien „in die Kamera hielt.“ Das ist verdächtig. Auf eine Frage eines Reporters bezüglich des bevorstehenden Kroatienspiels, gibt der Trainer Stanislaw Tschertschessow eine kurze Antwort. Damit wird er zum „Meister der Verknappung“. In der Kürze seiner Antworten versteckt sich natürlich Intransparenz. Er wurde zwar nicht zu Doping gefragt. Aber egal. Intransparenz ist verdächtig. Vergessen sie das bitte nicht. Dann kommt man im Artikel auf den Einstich zu sprechen. Es wird angemerkt, das es für so einen Einstich allerlei Gründe geben kann, von einer Blutentnahme bis hin zu einer erlaubten Transfusion. Die Antwort des russischen Verbands auf eine Anfrage irritiert allerdings die Schreiber der Süddeutschen. Die Antwort vom Teamarzt Eduard Besuglow lautet:

„Um den Funktionszustand zu überwachen, betrachten Ärzte verschiedene hämatologische Parameter, die sowohl aus kapillärem als auch aus venösem Blut stammen“ […] „Routine-Maßnahmen, die es uns ermöglichen, die Belastungstoleranz und die Regenerationszeit zu kontrollieren sowie Muskelverletzungen zu verhindern“.

Im Anschluss zweifeln natürlich Fachleute die Notwendigkeit venöser Blutentnahmen in der Leistungsdiagnostik an. Ein Piekser ins Ohrläppchen wäre nach Experten Fritz Sörgel ausreichend und der deutsche Teamarzt Tim Meyer schreibt in einem Fachbuch, dass:

„Venöse Blutentnahmen sollten nur bei bestehender medizinischer Indikation erfolgen (…) und auf das notwendige Minimum beschränkt bleiben.“

Weiter ist Fritz Sörgel ob der intensiven Leistungsdiagnostik beunruhigt. [8] Also nicht vergessen. Das ist verdächtig!

Mit dem Piekser im Ohr und dem Tropfen Blut lässt sich wunderbar der Laktatwert testen. Wer beim Arzt schon einmal ein großes Blutbild machen lassen hat, der weiß, dass man dazu ordentlich Blut entnommen bekommt. Selbstverständlich in der Ellenbeuge. Wir sprechen hier aber von Leistungssport. Diese ganzen Experten wollen mir doch nicht sagen, dass sie alle nur Laktatwerte testen, um ihre Sportler auf Wettkämpfe vorbereiten. Wenn doch, erklärt das natürlich in vielen Fällen die erbrachten Leistungen. Laktat gibt keine Auskunft über Aminosäuren, Mineralien, Vitamine und Hormone. Das lässt sich nur in Bluttests messen. Ein Piekser ins Ohr reicht da nicht. Ein großes Blutbild, wie Sie es von ihrem Hausarzt kennen, reicht da nicht.

„Fehlen dem Körper die biologischen Bausteine namens Eiweiß, Vitamine, Mineralien, füllt man die leeren Tanks gezielt, mit der persönlichen Dosis wieder auf. Und plötzlich wird das Leben leicht, Sie schlank, dynamisch, fröhlich – und gesund.“ [9]

Ich verlinke ihnen an dieser Stelle ein Dokument von Dr. Strunz. Dort können sie die Werte mit Erklärungen nachlesen, die er für ein gesundes Leben notwendig hält. Für solch eine Messung ist allerdings eine venösen Blutentnahme erforderlich. Dann kann aufgrund der gemessenen Werte nachjustiert werden. Zielgerichtete Nahrungsergänzung mit Aminosäuren, Mineralien und Vitaminen ist kein Doping!

Was tatsächlich der Grund für diesen Einstich ist, weiß ich nicht. Ob andere Sportler solche Einstiche haben oder hatten, weiß ich auch nicht. Ich weiß aber, was im Rahmen des großen Dopingskandals im Radsport 2006 bekannt wurde. Erik Zabel gab selbst an, mit EPO gedopt zu haben. Um etwaige Blutergüsse zu kaschieren, hatte er sich extra ein Tattoo auf dem Arm stechen lassen. [10]

Und jetzt vergleiche ich den Arm von Artem Dsjuba mit den Armen von… Ach lassen wir das. Diese von oben bis unten tätowierten Arme des überwiegenden Teils der Spieler sind nur Ausdruck ihrer Einzigartigkeit und Kreativität auf dem Platz. Aber auf gar keinem Fall verdächtig!

Einen habe ich noch. Zur WM 2014 in Brasilien lief der laufstärkste Spieler 83.957 km. Er spielte sieben Spiele mit einer Verlängerung. Legt man sieben Mal 90 Minuten, zwei Mal 30 Minuten und eine Auswechslung 8 Minuten vor Schlus als Gesamtspielzeit zugrunde, lief dieser Spieler im Schnitt 11,16 km pro Spiel. Sein Name: Thomas Müller. [11]

* Laufleistung von 11,72 km auf 12,27 km korrigiert


Quellenverzeichnis:

[1] https://www.fussballnationalmannschaft.net/aktuelle-fifa-weltrangliste

[2] https://de.fifa.com/worldcup/players/player/404429/

[3] http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-statistiken-zur-laufleistung-in-der-hinrunde-a-940739.html

[4] https://de.fifa.com/worldcup/players/player/358122/ (Abruf 9.Juli 2018, Spieler noch im Turnier)

[5] https://de.fifa.com/worldcup/players/player/398743/ (Abruf 9. Juli 2018, Spieler noch im Turnier)

[6] https://de.fifa.com/worldcup/players/player/337196/

[7] https://de.fifa.com/worldcup/players/player/371639/

[8] http://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-wm-verdaechtiger-einstich-in-der-ellenbeuge-1.4044175

[9]  http://www.drstrunz.de/high-tech-analytik.php

[10] https://www.aerztezeitung.de/panorama/sport/sportmedizin/article/451321/doping-radsport-nach-luegen-kommen-jetzt-gestaendnisse.html

[11] https://de.fifa.com/worldcup/archive/brazil2014/statistics/index.html

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