Vergifteter Piotr Versilov

Piotr Versilov ist derzeit in der Berliner Charité zur Behandlung. Wie die Sprecher des Krankenhauses mitteilten, wurde Piotr Versilov mit Vergiftungserscheinungen und anhaltender Verwirrtheit aufgenommen. Erste klinische Befunde in Berlin ergaben, dass eine schon fast eine Woche lang andauernde Intoxikation mit einer unbekannten Substanz, die aber einer bestimmten Wirkstoffgruppe zugeordnet werden kann, vorliegt. Zur Dauer der Behandlung können noch keine Angaben gemacht werden, jedoch geht die Klinik von einer vollständigen Genesung aus und bedankt sich bei der Moskauer Klinik für die gute Erstversorgung und die Kooperation. [1] 

So weit, so gut und eigentlich keiner Meldung wert, wäre Piotr Versilov nicht Mitglied der russischen Punk Band „Pussy Riot“. Und damit wird die ganze Sache verdächtig. Denn „Pussy Riot“ ist kremlkritisch und die Mitglieder wurde des Öfteren für ihren unermüdlichen Einsatz für Demokratie, Gleichberechtigung und Menschenrechte in Russland festgenommen. Und da versteht Russland aus wertewestlicher Sicht keinen Spaß, genauso wenig wie bei ex Agenten. Womit der Bogen jetzt über Sergej Skripal, seiner Tochter, weiter zu Charlie Rowley und Dawn Sturgess ausreichend gespannt sein dürfte.  Auf die Letztgenannten komme ich später noch einmal zurück.

Die Gruppe „Pussy Riot“ soll auf Facebook mitgeteilt haben, dass Piotr Versilov vermutlich vergiftet wurde und in lebensgefährlichem Zustand in ein Moskauer Krankenhaus eingeliefert wurde. Demnach sollte er kaum noch sehen, sprechen oder sich bewegen können. Dies teilte Veronika Nikulschina, ebenfalls Mitglied der Gruppe „Pussy Riot“ dem Nachrichtenportal Meduza mit. [2] Und wer suche, der finde auch den entsprechenden Artikel, wenn auch mithilfe von „Yandex“. Demnach leide er Stand 14. September 2018 immer noch unter Halluzinationen und Wahnvorstellungen und aufgeregtem Zustand. Nach Angaben von Verwandten wurde er entweder vergiftet oder mit Anticholinergika vergiftet. [3] 

Der hier letztgenannte Satz erschien in der Übersetzung etwas doppelt gemoppelt und entstellt, sodass ich Google dazu um Hilfe bat. Und Google schrieb im Zusammenhang plötzlich nichts mehr von Anticholinergika, sondern von Gehirnentzündung. Gehirnentzündung, Hirnhautentzündung, Meningitis? Charlie Rowley wurde mit Meningitis in ein Krankenhaus eingeliefert, wie ich es im Artikel „Diese Russen waren es?“ darlegte. Bei der Übersetzung der einzelnen Worte, wurde aus der Gehirnentzündung plötzlich wieder Anticholinergika.

Anticholinergika sind Stoffe, die den Hauptüberträgerstoff Acetylcholin im parasympathischen Nervensystem hemmen. Als ein Teil des vegetativen (unbewussten) Nervensystems und Gegenspieler des Sympathikus hat der Parasympathikus die Aufgabe, den Körper in den Ruhezustand zu versetzen und sich zu regenerieren. [4]

Das heißt also, Anticholinergika putschen den Körper auf und hemmen die Regeneration. Ein Stoff dieser Gruppe nennt sich Atropin. Dieser kam mir recht bekannt vor. Atropa Belladonna, die Tollkirsche. Sehr giftig. Der Wirkstoff findet in Homöopathie und Schulmedizin Anwendung, jedoch wird er auch für etwas anderes genutzt. Nämlich als Zusatzstoff für Heroin, Kokain und MDMA (Ecstasy). Die Wirkung beschreibt Rechtsanwalt Schüller wie folgt:

Atropin erregt das zentrale Nervensystem und führt zu Bewegungsdrang, Ideenflucht und Halluzinationen, wirkt aber auch lokalanästhetisch.  Die Halluzinationen, die man auf den klassischen Hexendrogen Atropin, Scopolamin, Mandragonin und Hyoscyamin erlebt, werden allgemein als sehr düster und dämonisch beschrieben, nur wenige Personen wollen diese Erfahrungen wiederholen. Man hört öfter, dass die Bilder von Hieronymus Bosch ein gutes Beispiel dafür sind, was man auf solch einem Trip zu erwarten hat. [5]

Die Nebenwirkungen bei einer Überdosierung von Atropin werden wie folgt beschrieben:

Atropin-Nebenwirkungen sind stark dosisabhängig. Bei mehr als jedem zehnten Patienten treten Mundtrockenheit, gerötete, trockene Haut, ein schnellerer Herzschlag und Sehstörungen infolge der Pupillenerweiterung auf. Je nach Grund der Anwendung können diese Wirkungen auch erwünscht sein. Besonders in höheren Dosen kann Atropin auch zu Halluzinationen, Sprachstörungen, Krämpfen, Blutdruckerhöhung, Muskelschwäche, Harnverhalt, Verwirrtheits-, Unruhe- und Erregungszuständen führen. [6]

Sehstörungen, Sprachstörungen, Halluzinationen, Muskelschwäche (damit einhergehende Bewegungsunfähigkeit) sind Erscheinungen, hervorgerufen durch Atropin. Charlie Rowley wurde wegen Meningitis ins Krankenhaus eingeliefert. Vergleichen Sie noch mal die Symptome, die im oben verlinkten Artikel beschrieben sind. Da stellen sich mir genau zwei Fragen.

Die Erste, wurde Charlie Rowley tatsächlich wegen Meningitis in ein Krankenhaus eingeliefert. Oder war es etwas zu viel Atropin in den zugeführten Drogen, wie schon damals, als Novichok für den Zustand verantwortlich gemacht wurde. Eine einfache Überdosis Atropin lässt sich gegen Russland nicht gut in Szene setzen. Die Zweite, wie verbreitet ist der Konsum von Drogen in Punk Bands und bei anderen Künstlern? War es vielleicht zu viel Atropin, was den Drogen beigemischt wurde?

Die erste Frage lässt sich damit beantworten, dass Charlie Rowley und Dawn Sturgess als drogenabhängige Personen bekannt waren. [7] Bei Piotr Versilov wird es etwas schwieriger. Dr. Karl Max Einhäupl wollte laut NBC Drogenmissbrauch nicht ausschließen, aber es wäre selten diese Droge zu verwenden. Es lägen keine Beweise auf Drogenprobleme vor. Die Höhe der Dosis würde für suizidale Absichten sprechen, wofür es aber keine Anzeichen gibt. [8]

Wie das Verhältnis der Band zu Drogen aussieht, erfuhr man einen Tag nach dem Endspiel der Fußball-WM in Russland. Einen Tag nach dem Platzsturm u. a. von Piotr Versilov veröffentlichte „Pussy Riot“ einen Song.

Der Track solle eine Vision sein von „einer Welt, in der Polizisten genug haben von der Verfolgung Homosexueller, vom Krieg gegen Drogen, und sich mit Aktivisten verbünden, statt sie zu verhaften und ins Gefängnis zu werfen“, teilte die Gruppe mit. [9]

Als ein Mensch, der keine Neigung zu Drogengebrauch hat, singe ich Lieder, die von Polizisten träumen, die genug haben vom Kampf, nein, sogar vom Krieg gegen Drogen? Wenn ich sehe, was von den Betroffenen alles getan wird, nur um sich den nächsten Schuss setzen zu können, wenn ich sehe, was für menschliche Wracks aufgrund von übermäßigen Drogenkonsum vor sich hin vegetieren, dann kann ich mir niemals in meinem Leben vorstellen, dass ein solcher Mensch wünsche äußert, dass ein Polizist vom Krieg gegen Drogen genug hat. Nein, ich sehe da eine gehörige Portion Eigennutz, um straffrei Drogen konsumieren zu können, oder um im Rahmen einer dahinter stehenden politischen Agenda so vielen Menschen wie möglich die Gehirne zerstören zu können.

Und die Couleur von in Europa gehypten Performancekünstlern ist bekannt. Mit allen Mitteln auffallen, um Repressalien herauszufordern und diese dann als Polizei- und Justizwillkür, Homophobie und was weiß ich noch alles durch Russland in die westlichen Medien zu bringen. Mehr zum Wesen von „Pussy Riot“ erfährt man bei Peds Ansichten in seinem Artikel: „PussyRiot, Otpor! und die NRO„.

In einer Welt, in der höchstwahrscheinlich Russland für alles verantwortlich gemacht wird, dürfen wir auf das Ergebnis der Behandlung und der daraus gezogenen Schlüsse und Darstellungen gespannt sein.

Noch eine kleine Anmerkung zu Piotr Versilov. Laut Jaka Bizilj, Gründer der Initiative „Cinema for Peace“, besitzt Piotr Versilov die russische und die kanadische Staatsbürgerschaft. [10] Kanada? Hatte ich Kanada nicht schon einmal in Verbindung mit Drogen, damals in Form von Drogencocktails zu Dopingzwecken, hier in meinem Blog erwähnt? Das war im Zusammenhang mit Grigori Rodchenkow, dem Dopingkronzeugen in Anti-Doping-Kämpfer darf wegen Anti-Doping-Maßnahmen nicht mit zu Olympia. Er leitete nach der Rückkehr aus Kanada das russische Dopinglabor.


Quellenverzeichnis:

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2 Kommentare zu „Vergifteter Piotr Versilov

  1. Cool!
    Er macht sich, Dein Blog. Mit interessanten Texten und einer gewissen Einzigartigkeit. Sieht jetzt auch vom Design her ansprechend aus.
    Aber – ohne reinreden zu wollen und aus Erfahrung klug – die Anregung, nochmal redaktionell über die Texte zu gehen.
    Weiterhin viel Erfolg!
    Herzliche Grüße, ped43z

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