Khan Sheikhoun und der UN-Bericht vom 6. September (II)

Viele Tage sind seit dem Angriff mit Sarin in Khan Sheikhoun vergangen. Vieles hat sich in Syrien seit dem getan. Aber es bleiben auch einige Dinge unverändert. Zwei Dinge möchte ich dabei hervorheben. Das ist zum Einen die Arbeitsweise der OPCW im Rahmen ihrer Fact Finding Mission. Trotz dem, dass sie wieder in Syrien ermittelt haben, gab es wieder keine Tatortarbeit. Zum Anderen ist das die bewundernswerte Geduld Russlands, die weiterhin auf die OPCW bauen. Was Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, zu sagen hatte, folgt hier:

Zu den Ergebnissen des Syrien-Besuchs von OPCW-Experten

Laut vorhandenen Informationen hat eine Gruppe von Experten der OPCW-Mission vom 8. bis 16. Dezember Damaskus besucht, um festzustellen, ob in Syrien Chemiewaffen eingesetzt worden waren oder nicht. Das Hauptziel ihrer Reise war, das Gebiet Zahiria im Norden der Provinz Hama zu besuchen, wo die Regierungstruppen Vorräte an Chlor enthaltener Munition, die den Terroristen und Extremisten gehörten.

Leider müssen wir wieder feststellen, dass die OPCW-Experten den Ort, wo die Chemiewaffen unmittelbar eingesetzt worden waren, nicht besucht haben. Im letzten Moment weigerten sie sich, dieses Gebiet zu besuchen, indem sie sich auf angebliche Empfehlungen der UN-Abteilung für Sicherheit beriefen. Dabei wird dieses Gebiet schon längst von den syrischen Regierungstruppen kontrolliert, und die syrische Seite garantierte die Sicherheit der Experten und zeigte sich bereit, ihnen einen Hubschrauber und Begleitung zur Verfügung zu stellen.

Übrigens behauptete man im UN-Hauptquartier, keine solchen Empfehlungen gemacht zu haben, und das könnte ein Beweis dafür sein, dass es zwischen den beiden internationalen Strukturen gewisse Missverständnisse gibt. Solche treten, soweit wir an den Ermittlungen der mit dem „Chemiewaffen-Terrorismus“ verbundenen seitens der OPCW und der UNO sehen, immer öfter zutage. Und das ruft natürlich gewisse Fragen hervor.

Ich muss dennoch feststellen, dass die OPCW-Experten nicht umsonst diese Woche in Syrien verbrachten. Sie haben mit den syrischen Behörden über die Zwischenfälle um die Anwendung der Chemiewaffen durch illegale bewaffnete Formationen im Jahr 2017 in der Provinz Hama, 2016 in Aleppo sowie über andere ähnliche Zwischenfälle verhandelt. Dabei wurden die Aussagen der bei der Chemiewaffen-Anwendung verletzten Ärzte aufgeschrieben. Sie besuchten ein Forschungszentrum in Barza, wo sie die am Ort des Anschlags in Hamdania (Provinz Hama) gesammelten Bodenproben versiegelten, mit denen sie bei ihrem nächsten Syrien-Besuch im Januar 2018 arbeiten werden.

In diesem Kontext wollen wir darauf hoffen, dass solche fragwürdigen Momente bei der Kooperation der OPCW und der UNO vom Tisch geräumt werden und dass die Arbeit an der Ermittlung der Chemiewaffen-Anwendung in Syrien weiterhin voll und ganz in Übereinstimmung mit den hohen Standards des Übereinkommens zum Chemiewaffen-Verbot geführt wird. Und die total falsche Praxis der „distanzierten“ Ermittlungen, wie das bei der Ermittlung der großen Provokation der Kämpfer um den Sarin-Einsatz in Chan Scheichun (Provinz Idlib) im April dieses Jahres war, sollte ein Ende finden.

Wie gesagt, bewundernswert, wie ich meine.

Für diejenigen, die sich noch mehr mit den Arbeitsmethoden der OPCW und den Gründen dafür auseinander setzen wollen, empfehle ich die Artikelreihe:

Die OPCW und die UN als Werkzeuge der Globalisten (1), (2) und (3).

In der Hoffnung, dass eine Veränderung diesbezüglich bereits 2018 eintritt, wünsche ich allen Lesern ein guten Rutsch ins neue Jahr.

Advertisements

Khan Sheikhoun und der UN-Bericht vom 6. September

Am 6. September 2017 war in vielen Medien zu lesen, dass ein UN-Bericht die syrische Regierung für den Giftgaseinsatz in Khan Sheikhoun am 4. April 2017 verantwortlich macht. Die Hintergründe, warum gerade jetzt diese Meldung über die Bildschirme läuft, kann man in diesen Artikel bei Pads-Ansichten nachlesen. Die Tagesschau ist mit dieser Meldung ein Beispiel von vielen. Jedoch wurde der Bericht nirgends verlinkt. Wäre ja auch blöd, wenn sich der interessierte Leser sein eigenes Bild von diesem Bericht machen kann, wie zum Beispiel in diesem Beitrag von mir dargelegt. Also muss man selbst recherchieren.

Der Einfachheit halber versuchte es beim deutschen Übersetzungsdienst der Vereinten Nationen. Unter der Rubrik neue Dokumente fand ich… Nichts. Dann vielleicht auf der Seite der Vereinten Nationen. Im Menü „News and Media“ findet man das Untermenü „Newsstream“ Dort fand ich diesen Artikel, auf den sich die Pressemitteilungen bezogen. In diesem Artikel ist wiederum die Pressemitteilung des „United Nation Human Rights Office of the high Commissioner“ verlinkt, über die man Zugriff auf die Dokumente der Independent International Commission of Inquiry on the Syrian Arab Republic erhält. Dort ist auch der Bericht vom 6. September 2017 zu finden. Dieser liegt als Worddokument in Englisch und Arabisch vor.

Im Abschnitt 6 (Seite 15 ff) werden die festgestellten Giftgaseinsätze aufgelistet. Demnach wurden zwischen März 2013 und März 2017 durch die Kommission 25 Giftgaseinsätze dokumentiert. 20 davon wurden der syrischen Regierung angelastet. Und das obwohl am 31.10.2013 noch das zu lesen war:

Bei der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) hört man kein schlechtes Wort über Syriens Präsidenten Baschar al-Assad. Die Kooperation mit dem Regime in Damaskus lief reibungslos, heißt es in Den Haag. Die syrischen Regimegegner beißen derweil wütend die Zähne zusammen. Denn ihre Strategie, mit Klagen über den Einsatz von Chemiewaffen durch Assads Armee einen US-Militärschlag gegen die Regierungstruppen zu provozieren, ist nach hinten losgegangen.

In den Nr. 72 bis 77 wird der Fall Khan Sheikhoun behandelt. Wie lief die Untersuchung ab?

The Commission conducted 43 interviews with eyewitnesses, victims, first responders and medical workers. It also collected satellite imagery, photographs of bomb remnants, early warning reports and videos of the area allegedly affected by the air strikes. The Commission also took into account the findings of the Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons report on the results of its fact-finding mission. Below is a summary of the Commission’s findings, elaborated in full in annex II.

Man hat also 43 Interviews mit Augenzeugen, Opfern, Ersthelfern und Sanitätern durchgeführt. Zudem wurden Satellitenbilder, Fotografien von Bombenresten, Frühwarnberichte und Videos des vom Luftangriff betroffenen Gebietes ausgewertet. Außerdem wurden die Ergebnisse der OPCW FFM berücksichtigt. Die Zusammenfassung der Untersuchung wird im ANNEX II behandelt. Hier möchte ich nur auf Abschnitt III eingehen, nämlich die Methodik:

III. Methodology

4. To establish the facts surrounding these allegations, the Commission sent a note verbale on 7 April to the Permanent Representative of Syrian Arab Republic to the United Nations requesting information from the Government. At the time of writing, no response has been received. The Commission conducted 43 interviews with eyewitnesses, victims, first-responders, medical workers, and persons who visited the site after the attack. It also collected satellite imagery, photographs of bomb remnants, early warning reports, videos of the area allegedly impacted by the airstrikes, and reviewed photographs and videos of victims depicting symptoms. The Commission took into account the findings of OPCW report on the results of its Fact-Finding Mission (OPCW FFM). Taken as a whole, this body of information allowed the Commission to reach the narrative of events and findings below.

Das hatten wir ja schon weiter oben stehen. Zusätzlich kommt hier, dass diese Untersuchung als Ganzes der Kommission erlaubte, den Bericht von Ereignissen und Erkenntnissen zu erreichen. (Narrativ finde ich besonders schön, da es sich auch als Geschichte übersetzen lässt) Da die Kommission lediglich Personen interviewt hat und Bilder und Videos ausgewertet hat, die ihr zur Verfügung(?) gestellt wurden -vor Ort war anscheinend niemand-, muss der Bericht von der OPCW FFM entsprechende Informationen erhalten.

Also hier der Bericht der OPCW FFM. Beginnen wir mit der vorstehenden Zusammenfassung:

  • 1.3  With support as indicated above, the FFM made preparations to deploy. An advanced team departed within 24 hours of being alerted to the incident, with the main team departing 24 hours later to a neighbouring country, where casualties had been transported.
  • 1.4  The conclusions were derived from analysis of biomedical specimens, interviews, and supplementary material submitted during the interview process. Additional data came from analysis of environmental samples. Evidence was cross-referenced and subsequently corroborated.
  • 1.5  Whilst unable to visit the location shortly after the incident, the rapid deployment enabled the team to attend autopsies, collect biomedical specimens from casualties and fatalities, interview a wide variety of witnesses, and receive environmental samples.
  • 1.6  The team received limited information on the dispersal mechanism and, therefore, was unable to make firm conclusions on that specific matter. However, the biomedical specimens, of which the FFM had full custody, provided incontrovertible evidence that people were exposed to sarin or a sarin-like substance.
  • 1.7  The team concluded that a large number of people, some of whom died, were exposed to sarin. The release that caused exposure was likely to have been initiated in the crater in the road, located close to the silos in the northern part of the town. The team concluded that, based on such a release, the only determination that could be made was that sarin had been used as a weapon.
  • Das für mich entschiedenste ist folgendes. Ein Team ist innerhalb 24 h nach Alarmierung einsatzbereit. Das Hauptteam ist 24 h später in ein Nachbarland gereist, wo die Opfer hingebracht wurden.
  • Die Schlussfolgerungen wurden aus der Analyse von biomedizinischen Proben, Interviews und ergänzenden Materialien abgeleitet, die während des Interviewprozesses eingereicht wurden. Zusätzliche Daten stammen aus der Analyse von Umweltproben. Der Nachweis wurde quer referenziert und anschließend bestätigt.
  • Während es nicht möglich war, den Standort kurz nach dem Vorfall zu besuchen, ermöglichte der schnelle Einsatz das Team, Autopsien zu besuchen, biomedizinische Exemplare von Opfern und Todesopfern zu sammeln, eine Vielzahl von Zeugen zu interviewen und Umweltproben zu erhalten.
  • Das Team erhielt begrenzte Informationen über den Ausbreitungsmechanismus und konnte daher keine festen Schlussfolgerungen zu dieser spezifischen Angelegenheit machen. Allerdings lieferten die biomedizinischen Proben, über welche die FFM volles Gewahrsam hatte, unbestreitbare Beweise dafür, dass die Menschen Sarin oder einer sarinähnlichen Substanz ausgesetzt waren.
  • Das Team kam zu dem Schluss, dass eine große Anzahl von Menschen, von denen einige starben, Sarin ausgesetzt waren. Der Ort, der die Freisetzung verursacht hat, war wahrscheinlich im Krater in der Straße, in der Nähe der Silos im nördlichen Teil der Stadt. Das Team kam basierend die Veröffentlichungen zu dem Schluss, dass Sarin als Waffe verwendet worden war.

Also war von der FFM auch niemand vor Ort. Dem ersten Team war es nicht möglich, zum Ort zu gelangen, weshalb sie die Autopsien besucht haben. Sie sind also zum Hauptteam in das Nachbarland. Dazu steht im Bericht folgendes:

As regards the question of an on-site visit by the FFM to the scene of the incident, it is an area located outside the effective control of the Government of the Syrian Arab Republic. It is to be noted that the use of sarin or a sarin-like substance is not questioned. This is also evident from the position of the Government of the Syrian Arab Republic which provided to the FFM its own information and materials as evidence. Since the mandate of the FFM is confined to establishing only the fact of the use of chemical weapons, the security risks associated with a deployment to Khan Shaykhun far outweighed any additional corroboration of the facts that have already been established. The Director-General has therefore decided that the FFM will not undertake an on-site visit to Khan Shaykhun.

Was die Frage nach einem Vor-Ort-Besuch der FFM an die Szene des Vorfalls betrifft, so ist es ein Gebiet, das außerhalb der effektiven Kontrolle der Regierung der syrischen Arabischen Republik liegt. Es ist zu beachten, dass die Verwendung von Sarin oder einer sarinähnlichen Substanz nicht in Frage gestellt wird. Dies zeigt sich auch aus der Position der Regierung der Arabischen Republik Syrien, die der FFM ihre eigenen Informationen und Materialien als Beweismittel zur Verfügung stellte. Da das Mandat der FFM beschränkt ist, nur die Tatsache der Verwendung von chemischen Waffen festzulegen, haben die Sicherheitsrisiken, die mit einem Einsatz nach Khan Shaykhun verbunden sind, eine weitere Bestätigung der bereits etablierten Tatsachen überwunden. Der Generaldirektor hat daher beschlossen, dass die FFM keinen Vor-Ort-Besuch bei Khan Shaykhun durchführt.

Eigene Fotos vom Ort des Geschehens – Fehlanzeige.
Aufhebung von Verstorbenen am Ort des Geschehens und Transport zur Autopsie – Fehlanzeige.
Sicherung von Bodenproben am Ort des Geschehens – Fehlanzeige.
Feststellung, dass interviewte Zeugen usw. tatsächlich am Ort des Geschehens waren – Fehlanzeige.

Wann haben Sie das letzte Mal erlebt, dass Ermittler einer Morduntersuchung nicht am Tatort waren? Besser noch, dass nach einem Mord in Deutschland das Opfer in ein Nachbarland gebracht wird und alle beweiserheblichen Daten und Aussagen gleich mitgeliefert werden. Und dieses Nachbarland ist ausgerechnet das Nachbarland, aus dem zahlreiche Mörder nach Deutschland eingeschleust wurden.

Nachtrag 8. November:

Erneut wurde Syrien für den Giftgasanschlag in Khan Sheikoun verantwortlich gemacht. Wie in dieser Nachricht zu lesen ist, wird auf dem OPCW Bericht vom 26. Oktober Bezug genommen.

Ich erspare mir noch großartig etwas dazu zusagen. Nur so viel. Grundlage sind Ergebnisse der FFM, die bekanntlich nie vor Ort war. Man hat weiter 17 Zeugen venommen und Proben analysiert, die nicht von der FFM stammen. Wie auch. Die waren ja nicht dort. Ab Punkt 37 beginnt Khan Sheikhoun… ANNEX II nicht vergessen.

Chemische Kriegsführung in Bosnien?

In einer kurzen Diskussion zur derzeitigen internationalen Rolle Russlands kam es zu einen Schwenk zum Massaker von Srebrenica mit 8000 Toten. Die UN-Resulution, welche dieses Massaker als Völkermord anerkennen sollte, wurde durch Russlands Veto verhindert. Nun lassen 8000 Tote die Emotionen hoch kochen. Also begann die Recherche. Nach über 20 Jahren sollte es doch etwas handfestes geben. Nun ja, ich stieß auf Material, aber anders als ich es erwartete. Ich stieß auf diesen Artikel aus dem Jahre 1999, in dem es um Untersuchungen des Haager Tribunals zu Giftgaseinsätzen in Srebrenica geht. Das interessierte mich an dieser Stelle plötzlich mehr, als das Massaker. Denn Giftgas spielt aktuell in Syrien eine große Rolle.

Gleich im ersten Absatz wird geschrieben:

„Wie aus diplomatischen Kreisen in Genf verlautet, stützt sie sich dabei auf einen Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) über das „bizarre Verhalten“ moslemischer Soldaten nach einem Granatwerferangriff.In Briefen an westeuropäische Botschafter bei der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag hat Frau Arbour nun zusätzliches Beweismaterial angefordert.“

Weiter gehts:

„…schrecklichen „Todesmarsch“ der zweiten Gruppe, der zwischen 12 000 und 15 000 Soldaten angehörten. Hay interviewte 35 Überlebende, darunter drei Ärzte.“

Die fortfolgend beschriebene Wirkung des Giftgases, lässt mich eher an übermäßigen Drogenkonsum glauben, als an einen militärischen Giftgaseinsatz gegen 12000 – 15000 Soldaten.

„Hauptmann Sahilovic: „Alle wirkten verrückt. Hinter mir marschierte Jurif Nukic, sonst ein sehr starker und klarsichtiger Ökonom. Auf einmal begann er wirr daherzuplappern … Er sprach mit Freunden, die längst tot waren. Dann verließ er unsere Kolonne und umarmte einen Baum, den er für seine Frau hielt. Er tat so, als wären seine Kinder da . . . Schließlich trennte er sich von dem Baum und rannte schreiend auf die Tschetniks (bosnische Serben, die Red.) zu.“

Aber, und dass fand ich richtig gut, am Ende des Artikels gab es sogar einen Link zu Bericht von HRW. Sehr gut, dachte ich mir, da wird doch was zu holen sein.
Zitat Ende 2. Abschnitt und Anfang 3. Abschnitt:

„The evidence, while suggestive of the use of a BZ-like compound, is incomplete. Hard evidence—in the form, for example, of chemical traces in the clothes of people who died during the march and whose bodies were exhumed subsequently—has remained elusive.
The reason we have been unable to prove the allegations may be that they are false. But a very plausible alternative explanation is…“

Weil ich nich glauben konnte, was ich hier lesen durfte und ich meine Englischkenntnisse nicht überbewerten wollte, habe ich frei zugängliche Übersetzungsprogramme bemüht.
Übersetzung: Der Beweis, der auf die Verwendung einer BZ-ähnlichen Verbindung hindeutet, ist unvollständig. Harte Beweise – in der Form, zum Beispiel von chemischen Spuren in der Kleidung von Menschen, die während des Marsches gestorben sind und deren Körper nachträglich exhumiert wurden – blieb schwer.
Der Grund, warum wir nicht in der Lage waren, die Vorwürfe zu beweisen, kann sein, dass sie falsch sind. Aber eine sehr plausible alternative Erklärung ist…

Bleiben wir bei HRW. Da gibt es diesen optisch ansprechenderen Artikel von HRW selbst.

„While the 54-page report, Chemical Warfare in Bosnia? The Strange Experiences of the Srebrenica Survivors, does not present conclusive proof substantiating the allegations, Human Rights Watch has documented the following:“

Warum wird dieser nichts beweisende 54 seitige Bericht veröffentlicht, der, wie die Veröffentlichenden selbst feststellen, keinen Beweis erbringt? Aber wenigstens geben sie es zu. Aber nur um jetzt nachzulegen:

In the summer of 1995, shortly after the fall of the United Nations-designated „safe area“ of Srebrenica, survivors emerged from a long trek to safety with accounts that they had been attacked during their flight with some type of chemical weapon, possibly an incapacitating agent called BZ. (This agent was originally developed by the United States in the 1960s but was never used). Their column had been attacked by Bosnian Serb forces commanded by Gen. Ratko Mladi.
Survivors gave consistent descriptions to Human Rights Watch of mortar shells that produced a „strange smoke“ of various colors which did not rise but spread out slowly. Following these attacks, some of the marchers—the numbers are unclear—began to hallucinate and behave in an irrational manner, with some even killing their friends or themselves. So far the behavior following these attacks has defied explanation, including by experts on war-related stress.
The army of the former Yugoslavia, the Yugoslav People’s Army (JNA), is known to have possessed incapacitating agents, including BZ, and to have developed doctrine and delivery systems for BZ. The situation that confronted the people fleeing Srebrenica matched the scenario for which the use of incapacitating chemical agents was prescribed in a JNA military manual.
The United States government apparently took the allegations seriously enough to conduct an investigation, reported to have taken place in late 1996 or early 1997. The results of this investigation have not been made public, but in late 1996 or early 1997 the U.S. intelligence community was reported to have information suggesting that chemical weapons may have been used in Srebrenica. The U.S. government’s refusal to release the findings may, according to a U.S. official interviewed by Human Rights Watch, be based on a belief that making this information public might hurt the international effort to effect peace in the former Yugoslavia.

Das ist der ultimative Beweis. Es gibt also ein Giftgas, welches die Wirkung aufweist, wie sie im obigen Welt-Artikel beschrieben ist. Ein solches wurde in den Vereinigten Staaten in den 1960er Jahren entwickelt, aber niemals eingesetzt. Zudem ist die Verwendung von chemischen Betäubungsmitteln im Militärhandbuch der Jugoslawischen Volksarmee beschrieben. Außerdem gab es eine Untersuchung, deren Ergebnis vom U.S. Geheimdienst nicht veröffentlicht wurde, die aber beweisen soll, dass chemische Waffen benutzt wurden sein könnten. Man wollte die Ergebnisse seitens der U.S. Regierung nicht veröffentlichen, weil diese den Friedensprozess in Jugoslawien gefährden könnte. Das sagte natürlich ein U.S. Offizieller in einem Human-Right-Watch-Interview.

Also fasse ich zusammen. Von 10.000 – 15.000 Menschen, die aus dem Raum Srebrenica flüchteten, wurden im Rahmen der Untersuchung 35 Überlebende interviewt. Diese berichteten über den Einsatz von Giftgas durch die Bosnischen Serben, welcher in der Untersuchung nicht nachgewiesen werden konnte. Aber es gibt einen von der USA entwickelten chemischen Stoff, der die beschriebene Wirkung aufweist. Und genau diese USA hat eine Untersuchung durchgeführt, deren Ergebnis durch den Geheimdienst nicht veröffentlicht wird. Dieser nicht veröffentlichte Bericht beweist, dass chemische Stoffen eingesetzt wurden sein könnten. Von der Veröffentlichung wurde laut Darstellung eines U.S. Offiziellen abgesehen, weil eben durch die Veröffentlichung der Friedensprozess gefährdet werden könnte.
Der Friedensprozess endete übrigens 1999 mit dem Kosovo-Krieg.

Was soll ich nur von diesem Bericht halten?
Welche Farbe hatte doch gleich die Pille, die ich nehmen muss, um beruhigt in meiner Schale liegen zu können und an den Giftgaseinsatz der bosnischen Serben glauben zu können?