Anti-Doping-Kämfer darf wegen Anti-Doping-Maßnahmen nicht mit zu Olympia

Wolfgang Pichler gilt als einer der erfolgreichsten Trainer im Biathlonsport. Magdalena Forsberg z.B. gewann unter seiner Leitung sechs Mal den Gesamtweltcup und mehrere WM-Medalien. Er gilt auch als ausgemachter Anti-Doping-Kämpfer. Jedoch darf er aufgrund sanktionierter Dopingvergehen nicht an den olympischen Spielen 2018 in Pyeong Chang teilnehmen. Er wird Opfer des politischen Anti-Russland-Kampf.

Was ist geschehen?

Am 04.12.2017 entschied das Internationale Olympische Komitee (IOC), dass das Nationale Olympische Komitee für Russland (ROC) wegen des Vorwurfs des Staatsdopings für die Olympischen Spiele 2018 in Pyeong Chang gesperrt wird. Bereits 2016 wurde versucht, Russland an der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio zu hindern. Damals gelang jedoch nur der Ausschuss der russischen Leichtathleten. Diesmal wird nun das gesamte NOC Russlands ausgeschlossen und darf somit keine Athleten entsenden, egal ob gedopt oder nicht. Aus der Stellungnahme des IOC ist aber zu entnehmen, dass durchaus Sportler der Russischen Föderation starten dürfen. Nämlich kurz gesagt diejenige, denen man kein Doping nachweisen konnte. Diese treten allerdings nicht als die Nationalmannschaft Russlands an, sondern als Olympische Athleten von Russland (OAR) an. Und im Falle von Siegerehrungen wird die Olympische Hymne anstatt der Russischen Hymne gespielt. Für die, die Mitsingen wollen ist hier* der Text der Hymne verlinkt. Es ist allerdings bei Hymnen äußerst wichtig, dass der Gesang die gespielte Melodie übertönt, denn es soll schon vorgekommen sein, dass der Gesang durch die angespielte Musik verzerrt wurde.

Kommen wir zurück zu Wolfgang Pichler. Wie es aus der Pressemitteilung des IOC zu entnehmen ist, wird er Opfer folgender Erklärung:

6.
Dieses Gremium wird bei seinen Entscheidungen nach den folgenden Prinzipien handeln:
a)
kein Mitglied der Mannschaftsleitung des Russischen Olympischen Teams bei den Olympischen Winterspielen Sotschi 2014 kann auf der Einladungsliste berücksichtigt werden.
b)
kein Trainer oder Arzt, dessen Athleten gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen haben, können in der Einladungsliste berücksichtigt werden.

Wie kommt es dazu, dass ein deutscher Trainer und Anti-Doping-Kämpfer, der Trainer des Schwedischen Biathlonteams ist, aufgrund des Ausschlusses des ROC nicht mit zu den Olympischen Spielen fahren darf?
Wolfgang Pichler wurde 2011 Trainer des Russischen Biathlonteams der Damen. Nachdem bei der Biathlon-WM 2009 drei Russische Biathletinnen des Dopings überführt wurden, wollte man mit der Verpflichtung Pichlers in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi einen dopingfreien Neuanfang starten. Er wusste, dass er einen Ruf zu verlieren hatte, aber auch, dass er niemandem Garantien für sauberen und auch für erfolgreichen Sport geben konnte. Er wusste aber auch, dass sich Russland im Vorfeld der Olympischen Spiele keine Skandale leisten konnte. Im Weltcup-Winter 2013 wurde er aufgrund durchwachsener Leistungen als Chefcoach abgelöst, blieb aber dem Russischen Trainerstab auch zu Olympia erhalten. Somit war er 2014 in Sotschi Mitglied der Mannschaftsleitung des Russischen Olympischen Team, Bereich Biathlon der Damen. Entsprechend kann er keine Einladung zu den Olympischen Spielen 2018 erhalten.

Was sagt er selbst dazu?

„So wie es jetzt ausschaut, kann ich wenig machen“ […] „Ich kämpfe um meinen Namen. Es ist für mich hart, dass ich für irgendetwas gesperrt habe, wofür ich nichts kann. Ich fühle mich total unschuldig, aber ich kann nichts unternehmen.“ ]…] „Ich bin zwar nicht namentlich erwähnt worden. Aber das schwedische Olympische Komitee wird mich nicht melden“ […] „Bis jetzt gibt es keinen einzigen Beweis, dass meine Sportler, die bei mir unter Kontrolle waren, gedopt haben“.

Bei den Sportlern, die unter seiner Kontrolle waren, handelt es sich um Olga Saizewa uns Jana Romanowa, die, wie auch Olga Wiluchina, vom IOC lebenslang gesperrt wurden.

In einem anderen Interview erwähnte er auch den McLaren-Report, der im Endeffekt ausschlaggeben für die Oswaldkommission war.

Pichler: In dem McLaren-Report ist nicht alles so klar, das ist ein Problem. […]
[EUROSPORT] Von den 31 Verdächtigungen gegen russische Biathleten, die im zweiten McLaren-Report erwähnt werden…
Pichler: …in dem Report ist ja nicht von positiven Dopingfällen die Rede, sondern von manipulierten Proben. Die Sportler zu sperren ist eine Sache. Die können ja nichts dafür, sie haben den Test sauber abgegeben. Aber wer hat den Test manipuliert? Das ist die Frage. Und da muss man jetzt halt durchgreifen. In Russland hat das nicht der Biathlonverband gemacht – da hat wahrscheinlich der russische Staat mitgemischt. Aber ich will das Doping auch nicht allein auf Russland beziehen. Man muss schon mal auf das große Ganze schauen
.

Die einleitenden Worte des gesamten Artikels wurde bereits festgestellt:

In 22 der ursprünglich 31 Verdachtsfälle wurden die Untersuchungen mangels Beweisen inzwischen eingestellt.

Aber es wäre dem Narrativ des Russischen Staatsdopings abträglich, von 9 übriggebliebenen Verdächtigungen zu schreiben. Nun gut. Die Hochzeit des Dopings im Biathlons war laut Wolfgang Pichlers Angaben in diesem Interview bis 2009.

Damals waren einige Russen gedopt, und da hätte man schon härter durchgreifen müssen. Ab 2010 war die Szene – abgesehen von ein paar schwarzen Schafen – relativ clean. Das ist ja das Schlimme: Eigentlich hat sich alles zum Guten hin entwickelt. Um 1999 herum bist du wirklich beschissen worden – wobei die Sache mit Sotschi 2014 eine Katastrophe ist.

Wie schon erwähnt, Magdalena Forsberg gewann sechs Mal den Gesamtweltcup. Es war in den Saisonen 96/97, 97/98, 98/99, 99/00, 00/01 und 01/02. Um 1999 herum ist man wirklich beschissen worden. Und es gelang trotzdem niemanden innerhalb der Wintersportsaisonen 96/97 bis 01/02 bessere Leistungen zu erbringen, als die nicht gedopte Sportlerin Magdalena Forsberg unter den Deutschen Anti-Doping-Käpfer und Trainer dieser Sportlerin Wolfgang Pichler. So unterirdisch schlecht können keine Sportler sein, dass sie trotz massiven Staatsdopings innerhalb von sechs Jahren nicht annähernd die Leistungen brachten, wie sie Magdalena Forsberg brachte. Hat Magdalena Forsberg gedopt? Ich weiß es nicht. Wolfgang Pichler sagt nein. Haben russische Sportler Staatsdoping betrieben? Sie haben zumindest nichts anderes gemacht, als alle anderen.

2008 gab es Berichte und Dopinganschuldigungen rund um die Wiener Blutbank Humanplasma. Unter anderem wurde 20 Deutsche Sportler aus dem Bereich Langlauf und Biathlon (nicht namentlich) genannt, die zu Dopingzwecken zum Kundenkreis der Blutbank gehörten.

Nach ARD-Informationen sollen von den rund 30 Sportlern, die angeblich Kunden bei der Wiener Blutbank Humanplasma GmbH gewesen sind, 20 deutsche Wintersportler sein, die zum Teil der Weltspitze angehörten. „Es wäre unzulässig, daraus ein Schreckensszenario zu zeichnen“, meinte Bach. „Bisher gibt es keine Fakten. Es gibt einen Verdacht, der ziemlich pauschaliert ist.“ […]
Dass er noch nicht Ross und Reiter nennen will, begründete Seppelt in einem Interview mit dem Radiosender „WDR2“ so: „Die Russen- und die Ukrainer-Mafia ziehen im Hintergrund der Blutbank ihre Fäden. Deshalb müssen wir unsere Informanten schützen.“ Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke erwartet jedoch bald die Enthüllung. „Ich rechne damit, dass in den nächsten Tagen die Namen bekannt gegeben werden“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

Namen wurden übrigens genannt. Von Radsportlern. In diesem Zusammenhang gesperrte Wintersportler sind mir nicht bekannt. Im übrigen entschuldigte sich die ARD später für diese Berichterstattung. Aber was sagte Wolfgang Pichler damals?

Der aus Ruhpolding stammende Wolfgang Pichler […] glaubt nicht, dass alle Anschuldigungen aus der Luft gegriffen sind. „So dumm können die Deutschen doch gar nicht sein“, […] „Allerdings denke ich aber auch, dass an den Gerüchten etwas dran ist. Ich nenne keine Namen, doch ich habe in diesem Winter schon einige Sportler anderer Nationen so die Berge hochstürmen sehen, dass ich mir verwundert die Augen gerieben habe.“ Allerdings forderte der bayerische Zöllner nun Ross und Reiter zu nennen. „Die Ungewissheit schadet dem gesamten Biathlon-Sport“, sagte Pichler.
Sagt er als deutscher Staatsbürger oder als schwedischer Nationaltrainer, dass der „Sportler anderer Nationen“ Berge hochstürmen sah? Vergleichen Sie die Aussage mit dieser vom Dezember 2014, also aus der Wintersportsaison nach Olympia in Sotschi.
Der frühere russische Frauentrainer Wolfgang Pichler hat hingegen systematisches Doping bei den russischen Biathleten ausgeschlossen. „Es wird immer schwarze Schafe geben. Aber alle, das ist Schmarrn“, sagte er. Zugleich hält er es aber für vorstellbar, dass im Zuge auf die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Sotschi im Auftrag des Sportministeriums am Verband vorbei eine Gruppe von Athleten aufgebaut wurde, „die gezielt für die Heimspiele an den anderen vorbei vorbereitet wurde“.
Pichler hatte in der vergangenen Saison Olga Saizewa, Jekaterina Glasyrina, Swetlana Slepzowa, Jana Romanowa und Jekaterina Schumilowa betreut. „Für diese Athletinnen lege ich meine Hand ins Feuer“, sagte er. Zugleich wurde aber eine Konkurrenzgruppe aufgemacht, aus der die letzten beiden Epo-Dopingsünderinnen – Jekaterina Jurjewa als Wiederholungstäterin und Olga Starych – erwischt und gesperrt wurden. Auch Nachwuchshoffnung Alexander Loginow wurde positiv getestet. „Wir hatten immer das Gefühl, dass irgendwas läuft. Die haben das ziemlich gezielt mit ein paar Athleten probiert“, erklärte […]
Der deutsche Biathlet Arnd Pfeiffer [Peiffer] hält systematisches Doping in Russland für nicht realistisch. „Es ist so ein großes Land, da kann ich mir Staatsdoping nicht so richtig vorstellen“, sagte er. „Wenn es wirklich so wäre, wäre es natürlich ein großes Ding. Ich habe aber das Gefühl, es ist eher punktuell.“
Wolfgang Pichler legt die Hand für seine Athletinnen ins Feuer. Er glaubte aber auch, dass an den Gerüchten bzgl. der Deutschen Athletinnen etwas dran ist. Des Dopings überführt wurden die Athletinnen aus der Konkurenzgruppe. Zudem glaubt auch Arnd Peiffer, als einer in diesem Sinne von dopenden Gegnern benachteiligter Athlet, nicht an flächendeckendes Doping, sondern an punktuelles Doping. Ich betrachte diese Konkurenzgruppe als punktuelle. Warum, erklärt ihnen der Präsident der Russischen Föderation Wladimir Putin im Rahmen seiner jährlichen Pressenkonverenz auf die Frage von Oleg Juri (aus meiner Übersetzung):

Oleg Lurie: Guten Tag. Oleg Lurye, Frieden und Politik Magazin.

Grigory Rodchenkow, der Hauptzeuge der WADA, dessen Zeugenaussage zur Aussetzung des russischen Teams führte, wurde 2011 wegen unerlaubten Handels mit Dopingmitteln strafrechtlich verfolgt und garantierte den Athleten der Mittelstufe, dass sie nicht erwischt werden würden.

Nachdem die Anklage gegen ihn erhoben wurde, machte er einen Selbstmordversuch: Er erstach sich mit einem Messer unter Alkoholeinfluss. Danach unterzog er sich einer ärztlichen Untersuchung und stellte fest, dass er an einer psychischen Störung litt, genauer gesagt an einer schizotypischen Störung.

Von diesem Punkt an wurden die Dinge sehr merkwürdig. Plötzlich wurde sein Status auf den eines Zeugen geändert, und nur eine von 12 Anklagepunkten wurde beibehalten. Und dann kam er als Leiter von RUSADA zurück.

Wird es eine Untersuchung darüber geben, wie dieser Strafprozess geführt wurde und warum sein Status von einem Angeklagten zu einem Zeugen geändert wurde? Die strafrechtliche Untersuchung wurde übrigens wieder eröffnet.

Wie kann ein suizidgefährdeter Mensch, der früher leistungssteigernde Medikamente verkaufte, als Leiter der russischen Anti-Doping-Agentur zurückkehren? Wer steckt hinter diesem Zug? Werden wir jemals die Namen, Passwörter und andere Geheimnisse erfahren? Werden Leute, die Rodchenkow verdeckt haben, bestraft?

Wladimir Putin: Das ist eine höchst relevante Frage. Es ist wirklich seltsam, dass ein Einzelner, der mehrere Jahre in Nordamerika gelebt hatte, nach Russland kam. Aber es ist nichts Seltsames daran, dass er die Agentur leitete. Aber die Tatsache, dass er verdächtigt wurde, leistungssteigernde Medikamente zu verkaufen, und ich denke, dass seine Schwester dafür verurteilt wurde …

Bemerkung: Hat eine 18-monatige Haftstrafe bekommen.

Wladimir Putin: Ja, achtzehn Monate. Sie sehen, Sie kennen diesen Fall noch besser als ich. Was mir noch seltsamer ist, ist, dass eine Person, die lange Zeit für Geheimdienste gearbeitet hatte, all diese schlechten Sachen aus Nordamerika, aus den USA und Kanada mitbrachte. Wer hat ihm trotz der strengen Kontrolle geholfen, Zollabfertigung zu bekommen? Er machte es seit Jahren.

Natürlich fallen mir in dieser Hinsicht viele Dinge ein. Ja, das war ein Fehler der Leute und Agenturen, die ihn dorthin brachten. Du kannst nicht mit Menschen arbeiten, die aus irgendeinem Grund versuchen, Selbstmord zu begehen. Dies bedeutet, dass sie ein psychologisches Problem haben. Dies bedeutet, dass Sie keine Entscheidungen treffen können, die ausschließlich auf dem Zeugnis solcher Menschen basieren.

Schauen Sie, was die Begründung für die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees sagt: Erstens, dass er eine ehrliche Person ist, zweitens, dass er vom FBI geschützt ist, und drittens, dass alles in seinem Tagebuch steht.

Es tut mir leid, aber das ist nur Unsinn. Erstens, wer hat gesagt, dass er eine ehrliche Person ist? Schließlich wurde er angeklagt und war in betrügerische Aktivitäten verwickelt. Was noch wichtiger ist, er gab unverblümt zu, dass Geld am wichtigsten für ihn war.

In Anbetracht dessen, dass er vom FBI geschützt wird, ist dies kein Vorteil, sondern eher ein Nachteil für uns, da dies bedeutet, dass seine Handlungen von den US-Nachrichtendiensten kontrolliert werden. Was machen sie mit ihm? Welche Medikamente geben sie ihm, damit er sagt, was sie ihm lassen sagen wollen? Das ist einfach lächerlich.

Und schließlich, in Bezug auf die Idee, dass alles in seinen Tagebüchern ist. Na und? Wann wurde alles geschrieben? Woher? Wie hat er das gemacht? Niemand weiß es. Das ist es, und nichts mehr.

Sie erwähnen Kratzer auf Flaschen. Aber sie wurden ordnungsgemäß übergeben und wir unterzeichneten eine entsprechende Erklärung. Wo sind diese Kratzer aufgetreten? Wann? Sie haben einfach nichts anderes.

Wir respektieren internationale Sportorganisationen, einschließlich der WADA und noch mehr des IOC, und wir haben viele Freunde dort. Aber wir erkennen, dass es für sie nicht einfach ist. Sie stehen die ganze Zeit unter Druck und sind sogar eingeschüchtert. Egal was sie sagen, nachdem sie meine Worte gehört haben, so ist es.

In jedem Fall müssen ihre Ergebnisse, auch wenn sie etwas unternehmen müssen, auf etwas basieren. Davon rede ich. Wie ist es dazu gekommen, dass diese Person die russische Anti-Doping-Agentur geleitet hat? Natürlich haben die Leute, die ihn dorthin gebracht haben, einen Fehler gemacht. Ich weiß wer es war. Aber was spricht dafür, jetzt darüber zu reden?

Und nun bewerten Sie bitte folgenden Artikel vom Focus:

Dutzende russischer Athleten sollen bei den Winterspielen in Sotschi 2014 gedopt gewesen sein – darunter auch 15 Goldmedaillen-Gewinner.

Das berichtet die „New York Times“ unter Berufung auf den früheren Leiter des russischen Doping-Kontroll-Labors, Grigory Rodchenkov.

Demnach waren die Sportler Teil eines vom Staat organisierten Doping-Programms, das jahrelang geplant und dann in die Tat umgesetzt worden sein soll.

Unter den gedopten Athleten befinden sich nach Aussage Rodchenkovs einige der größten Stars der Spiele, vor allem im Langlauf-Team hätten viele verbotene Substanzen genommen.

Doping-Substanzen mit Alkohol vermischt

Dem Bericht zufolge war es Rodchenkov selbst, der den Drogen-Cocktail zusammenmischte, der den Sportlern verabreicht worden sein soll.

Dieser habe aus drei verschiedenen Substanzen bestanden, die mit Alkohol vermischt wurden – zum Beispiel mit Whiskey oder Martini. Das habe die Zeitspanne verringert, in der die Substanzen nachweisbar sind.

Bei den Substanzen habe es sich um drei anabole Steroide gehandelt – Methenolon, Trenbolon und Oxandrolon.

Den Mix habe Rodchenkov über Jahre entwickelt, teilweise sogar an sich selbst getestet. Den Athleten gab er sogar Anweisungen, wie sie den Cocktail konsumieren sollten.

Es existierte ein „Schatten-Labor“

Um den Schwindel zu vertuschen, hätten russische Anti-Doping-Experten und Geheimdienst-Mitarbeiter während der Spiele die Urin-Proben der Athleten im Anti-Doping-Labor mit sauberen, Monaten zuvor abgegebenen Proben vertauscht.

Dazu habe es ein „Schatten-Labor“ gegeben. Die Behälter mit dem Urin seien jede Nacht über Stunden durch ein kleines Loch in der Wand ausgetauscht worden.

Bis zum Ende der Spiele sollen Rodchenkov zufolge so etwa 100 Proben getauscht worden sein.

Konfrontiert mit den Aussagen des ehemaligen Offiziellen soll der russische Sport-Minister, Witali Mutko, von einer „Fortsetzung der Attacke auf den russischen Sport“ gesprochen haben.

„So gut vorbereitet wie noch nie zuvor“

Als Beweise für seine Aussagen soll Rodchenkov der Zeitung E-Mails und Dokumente vorgelegt haben, die unter anderem direkt vom Sportministerium kamen.

„Wir hatten die Ausstattung, das Wissen, die Erfahrung – wir waren für Sotschi so gut vorbereitet wie noch nie zuvor“, sagte Rodchenkov der „New York Times“. Das ganze System habe funktioniert wie ein „Schweizer Uhrwerk“.

Rodchenkov musste im Jahr nach den Spielen zurücktreten, nachdem er von einem Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada schwer belastet worden war.

Rasche Ermittlungen angekündigt

Das Internationale Olympische Komitee teilte mit, dass es aufgrund der beunruhigend detaillierten Darstellungen rasche Ermittlungen geben werde.

Am vergangenen Sonntag hatte der russische Whistleblower Witali Stepanow in der Sendung „60 Minutes“ des US-Fernsehsenders CBS von einem Gespräch mit Rodschenkow berichtet. Die Wada hatte daraufhin am Dienstag eine Prüfung der Vorwürfe gegen Russland angekündigt.

Wie ging es für Herrn Rodchenkow seit den Enthüllungen weiter?

Seitdem lebt Rodschenkow in Angst: Im Januar setzte er sich in die USA ab. Wenige Tage darauf starb am 3. Februar Wjacheslaw Sinew, der Gründer der Moskauer Agentur. Seine Todesursache ist nicht bekannt – anders als bei Nikita Kamajew, 52, der am 14. Februar völlig überraschend einem Herzinfarkt erlag.

Kamajew war einer von Rodschenkows Amtsvorgängern. Beide toten Ex-Anti-Doping-Funktionäre traten nach dem Wada-Bericht vom November 2015 von ihren damaligen Posten zurück.

Jetzt stehen wir wieder vor der Matrixfrage: Rote oder blaue Pille?

Doch bevor Sie sich für eine Pille entscheiden noch folgende Hinweise. Beide Rodchenkov-Artikel stammen aus dem Jahr 2016. Bereits im Februar 2017 waren 22 der 31 Verdachtsfälle aus Mangel an Beweisen eingestellt worden. Und als nächstes denken Sie darüber nach, wie Zeugen und Beschuldigte im allgemeinen frühzeitig Ableben und wem es nützt. Und bedenken Sie, warum (Achtung, Szenenwechsel!) das erste NPD Verbotsverfahren vor dem BVG gescheitert ist.

Die Beobachtung einer politischen Partei durch V-Leute staatlicher Behörden, die als Mitglieder des Bundesvorstands oder eines Landesvorstands fungieren, unmittelbar vor und während der Durchführung eines Parteiverbotsverfahrens ist in der Regel unvereinbar mit den Anforderungen an ein rechtsstaatliches Verfahren. Staatliche Präsenz auf der Führungsebene einer Partei macht Einflussnahmen auf deren Willensbildung und Tätigkeit unvermeidbar.

Und im Falle Rodchenkow? Er war der Leiter der Russischen Anti Doping Agentur. Er war der Hauptverantwortliche. Er war dafür hauptverantwortlich, dass alles so lief, wie es gelaufen ist. Er müsste der Hauptbeschuldigte in diesem Verfahren sein. Aber es wird der Beschuldigte zu Kronzeugen gemacht. Der Täter zum Opfer. Und die zwei Mitverantwortlichen? Die sind plötzlich und unerwartet verstorben. Und der Täter flüchtet dorthin, wo er zuvor hergekommen ist.

Ergänzung: Wolfgang Pichler legt seine Hand für seine Athleten ins Feuer und er ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, was im Athleten- und Betreuerbereich vor sich geht. Und er sagt, sie waren sauber und ich glaube ihm.
Rodchenkow sagt, es wurden Proben manipuliert. Auch das glaube ich.
Wie passt das zusammen? Wjacheslaw Sinew und Nikita Kamajew würden Ihnen die Erklärung liefern, wenn sie noch könnten. Daran glaube ich nicht nur. Da bin ich mir sicher.


* An dieser Stelle ist mir anscheinend ein kleiner Fauxpas unterlaufen.
Bildquelle: https://pixabay.com/de/sotschi-2014-russland-olympiade-262145/

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NATO scheitert in Sachsen

Die Polizei Sachsen verhindert die Weitererfahrt eines Militärtransports:

Die Kontrolle eines ungewöhnlichen Transportes auf der #A4, Rastanlage Oberlausitz Nord, sorgte heute für reichlich Medienanfragen. Eine Streife der Verkehrspolizei hatte gestern bei Bautzen einem #Panzertransport die Weiterfahrt untersagt. Eine Spedition sollte im Auftrag der US-Armee sechs Haubitzen vom Typ M 109 nach Deutschland transportieren.

Doch die von der Firma genutzten Auflieger waren dafür allesamt ungeeignet. Bei einer genauen Kontrolle an der Rastanlage Oberlausitz-Nord stellte sich heraus, dass die erforderlichen Transportdokumente und Ausnahmegenehmigungen fehlten, die Ladung zu breit und vor allem viel zu schwer war. Die erfahrenen Polizisten wogen jedes der sechs Gespanne: Bis zu 16 Tonnen waren diese überladen. Auch fehlten dem Convoy die erforderlichen Begleitfahrzeuge, einige der Fernfahrer hatten zudem ihre Lenk- und Ruhezeiten bereits überschritten.

Im Ergebnis der langen Mängelliste untersagten die Verkehrspolizisten den Fernfahrern die Weiterreise, bis geeignete Fahrzeuge zur Verfügung stehen, die erforderlichen Transportgenehmigungen vorliegen und alle Auflagen erfüllt werden. Die Landesdirektion wird sich mit dem Fall befassen. Auf die Transportfirma und die betroffenen Fernfahrer werden entsprechende Bußgelder zukommen.

https://twitter.com/polizeisachsen/status/951039370840207360

Der Transport sollte jetzt nach Rockensußra begleitet werden. Dort weiß man mit der betroffenen Technik umzugehen.

Anmerkung 11.01.2018:

Ich habe nicht beachtet, dass die Rastanlage Oberlausitz Nord die Fahrtrichtung aus Polen kommend in Richtung Dresden betrifft. Somit hat der Transport keinen Einfluss auf die „Ostfront“.

Auf dem rechten Auge blind?

Im November fand im Dresdner Hygienemuseum eine Podiumsdiskussion statt. Geladen hat der Verein Atticus zum Thema: „TACHELES zur sächsischen Polizei“ (als Video). Aus dieser Diskussionsrunde stammt ein für mich bemerkenswertes Zitat des Polizeipräsidenten der Polizeidirektion Görlitz Torsten Schultze:

Bei dem verhältnismäßigen Handeln ohne politische Motivation kann nach außen schon der Eindruck entstehen, Polizisten schützen die Faschisten.

Bemerkenswert ist es für mich unter folgendem Gesichtspunkt. Man erwartet von der Polizei neutrales, also nicht politisch motiviertes Handeln. Macht das die Polizei, wir die politische Neutralität in der Außenwirkung zum Schutz für Faschisten.

Warum knüppelt also die Polizei diese Faschisten nicht einfach nieder? Weil sie es nicht darf. Und warum beschützt die Polizei dann diese Faschisten? Ja wenn auf der Gegenseite Menschen stehen, die z.B. durch Steinewerfen das Leben anderer Menschen gefährden, dann kommt die Polizei ihrem gesetzlichen Auftrag nach, Menschenleben zu schützen. Menschenleben, das höchste Rechtsgut, wird natürlich mit höherer Intensität geschützt, als anderes Straften, die ihrer Art nach kein Menschenleben gefährden. Gemeint ist in dem Zusammenhang auch das Verwenden verfassungsfeindlicher Zeichen, die im Paragraph 86a StGB zu finden sind. Solche Straftaten können erst verfolgt werden, wenn keine Leben mehr geschützt werden müssen. In diesem Sinne wird durch den durchaus legitimen, aber gegenüber (um beim genannten Begriffe zu bleiben) Faschisten überwiegend gewalttätigen, Gegenprotest, zunächst die Verfolgung von Straftaten verhindert und im Anschluss die Polizei dafür kritisiert. Im übrigen ist der Wunsch nach einem Genozid an Deutschen – „Deutschland verrecke“ zähle ich dazu – nicht strafbar. Das Tragen diverser Zeichen schon.

Aber wie kam es zu der Äußerung vom Görlitzer Polizeipräsidenten?

Politische Haltung vs. Recht & Gesetz

Der Aussage vorausgegangen war der Einwurf des Politikers Rico Gebhard der Partei die LINKE. Er warf ein, dass nicht nur Polizei-Taktik, sondern politische Haltung ausschlaggebend sei.

Wer von Ihnen, liebe Leser, möchte von der Polizei nach politischer Haltung behandelt werden?

In der DDR gab es sogenannte Politoffiziere. Diese hatten die Aufgabe:

… im Sinne der marxistisch-leninistischen Parteidoktrin die politische Erziehung der Soldaten zu gewährleisten. Dabei stellte er sicher, dass die Offiziere und Soldaten stets als „Sozialistische Persönlichkeit“ agierten und einen „klaren Klassenstandpunkt“ vertraten.

Neben dem regelmäßigen und obligatorischen Politunterricht der Soldaten sorgten Politoffiziere in turnusmäßigen Leitungssitzungen dafür, dass auch im Offizierskorps sozialistischer Armeen die Parteilinie vergegenwärtigt und entsprechend umgesetzt wurde.

Das wäre eine Art, die politische Haltung der Polizisten in gewünschte Bahnen zu lenkenden. Aber die politische Haltung unterliegt dem Wandel. Die politische Haltung von heute muss in 10 Jahren nicht mehr die politische Haltung erster Wahl sein. Daher finde ich es auch richtig, dass es bei polizeilichen Handeln keine politische Haltung geben darf. Der Eid, den die sächsischen Beamten schwören lautet gem. § 63 sächsBG wie folgt:

„Ich schwöre, dass ich mein Amt nach bestem Wissen und Können führen, Verfassung und Recht achten und verteidigen und Gerechtigkeit gegenüber allen üben werde.“

Wenn etwas politisch nicht gewollt ist, ist das noch lange kein Verstoß gegen Recht und Verfassung. Und mag ein Verhalten oder eine Meinung noch so sehr mit (politischen) Kampfbegriffen belegt werden, verstößt es nicht gegen Recht und Verfassung, ist es ein durch die Polizei zu verteidigendes Recht. Werden Straftaten begangen, werden sie verfolgt, je nach schwere der Straftaten die Schwersten zu erst.

Aber warum geht die Polizei immer so rigoros gegen die Linken vor und nicht gegen die Rechten?

Findet eine Demonstration durch die Rechten statt, die, weil ihr kein Verbot aufgrund Verfassungsfeindlichkeit auferlegt werden konnte, auf einer festgelegten Route stattfindet, ist regelmäßig mit Gegenprotest von Links zu rechnen. Im Kampf für Meinungsfreiheit und Toleranz wird die Meinung der rechten Demonstranten nicht toleriert. Deren Meinung ist dann ein Verbrechen und muss bekämpft werden. Blockaden der Demonstrationsroute, Angriffe auf Teilnehmer u.ä. gehören zur Tagesordnung. Um die nicht verbotene Demonstration zu schützen, muss nun die Polizei gegen die Linken vorgehen. Die Folge sind Ausschreitungen und Kritik am Vorgehen der Polizei, da politisch nicht gewolltes Handeln gegen politisch gewolltes Handeln durchgesetzt wird. Wie würde doch die Polizei bejubelt werden, wenn bei einer Demonstration der Linken genau so mit den Rechten umgegangen wird. Das Problem ist aber, aus der Berichterstattung sind mir kaum linke Demonstrationen bekannt, die durch Rechte in gleicher Weise verhindert werden. Es sind überwiegen linke Kreise, die den Rechten die Bühne bieten, sich als Opfer zu inszenieren.

Overton Window

Weiter oben schrieb ich, dass die politische Haltung der Wandlung unterliegt. Jahreswechsel 2015/2016 in Köln und 2016/2017 erneut Köln und die NAFRI-Debatte? Haben sie es gemerkt? Analitik schrieb dazu diesen Beitrag:

  • Flüchtlinge verdienen unbedingt unser Mitgefühl und unsere Hilfe
  • Flüchtlinge begehen Straftaten und verdienen nicht nur Mitgefühl
  • Flüchtlinge verdienen Sonderbehandlung und Strafen für ihre Straftaten

Ende 2015 war die politische Korrektheit Herr im Haus und nur die erste Aussage durfte öffentlich verbreitet werden. Dann kam Silvester in Köln. Das verschob das Overton-Fenster und die zweite Aussage wurde salonfähig. Die dritte aber noch nicht so richtig. Jetzt, erneut nach Silvester in Köln, ist die dritte Aussage auch salonfähig. Und die erste schon nicht mehr. Das ist ein gezielt gesteuerter Prozess. Die PR-Mitarbeiter der Polizei platzieren doch nicht zufällig „Nafris“ in ihrem Tweet. Sie machen das bewusst, um das Overton-Fenster zu verschieben. Die unangenehme Sonderbehandlung, die wir den Flüchtlingen von jetzt an angedeihen lassen können, verankern wir auch verbal. Ein Kanal für die Bürgeremotionen.

Faschismus

Was sind denn eigentlich Faschisten, die anscheinend durch die Polizei geschützt werden?

Wenn es darum geht zu benennen, was Faschismus ist, wird alles plötzlich etwas schwammig. Am interessantesten finde ich eine Aussage bei Wikipedia, die da lautet:

Was Faschismus ist oder sein soll, wurde vornehmlich von seinen Gegnern bestimmt, die Theorien des bzw. über den Faschismus entwickelt haben.

Der Gegner bestimmt was Faschismus ist. Und den gilt es zu bekämpfen. Eine vernünftige Definition gibt es nicht. Was die Merkmale des Faschismus sind, hab ich hier entnommen:

Er ist in hohem Maße antidemokratisch (gegen die Demokratie) und antikommunistisch (gegen den Kommunismus). An der Spitze einer faschistischen Bewegung steht immer ein Führer, der von „seinem” Volk verehrt oder sogar verklärt wird (Führerkult). Der einzelne Mensch im Volk aber zählt nichts; im Mittelpunkt der Politik steht vielmehr das vermeintliche Wohl der so genannten Volksgemeinschaft, hinter der alle Rechte, Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen zurückstehen. Eine faschistische Partei oder Bewegung herrscht alleine und diktatorisch (Einparteienstaat) und versucht, alle Bereiche des Staates und der Gesellschaft vollständig zu durchdringen. Auch ein übersteigerter Nationalismus, die Hervorhebung des eigenen Volkes als etwas ganz Besonderes, gehört zu den Merkmalen des Faschismus. Außerdem schließt der Begriff Faschismus immer auch eine hohe Gewaltbereitschaft ein. Und schließlich zeichnen sich faschistische Bewegungen zumeist durch einen starken Willen zur Macht aus und scheuen nicht davor zurück, diese Macht mit Gewalt zu erringen.

Antidemokratisch sehe ich zum Beispiel diejenigen, die Meinungen anderer verbieten wollen. Das NetzDG ist zum Beispiel ein Gesetz, was es verbietet Hass in sozialen Netzwerken zu äußern. Welche Strafe steht auf Hass? Keine!

Antikommunistisch ist derjenige, der gegen:

eine umfassende Gütergemeinschaft und Gleichheit der Lebensbedingungen aller Gesellschaftsmitglieder.

Also z.B. wenn staatliche Unternehmen der Privatwirtschaft zugeführt werden. Dann profitieren nur noch einzelne von diesen Unternehmen und die Gesellschaftsmitglieder zahlen den Preis. Öffentliche Versorgungsunternehmen und ÖPNV sehe ich als wichtige staatliche Unternehmen, die für die Gleichheit der Lebensbedingungen aller Gesellschaftsmitglieder enorm wichtig sind. (zum Thema Kommunismus und Kapitalismus möchte ich diesen Beitrag empfehlen)

Als nächstes der Führerkult. Dazu meine Frage: Gehen die Menschen zu PEGIDA Demonstrationen wegen Lutz Bachmann oder trotz Lutz Bachmann. Wählten die Menschen die AFD wegen, ja wem eigentlich? Gauland, Weidel, Höcke oder vor der Wahl noch Petry, oder trotz derer. Und in welcher Partei gibt es Alternativlosigkeit bzgl. der führenden Person?

Als nächstes soll der einzelne Mensch nicht zählen und hinter das Wohl der Volksgemeinschaft zurück treten. Ist das nicht gerade Teil der Antikommunismusdefinition gewesen, die elementarer Bestandteil des Faschismus ist?

Ein übersteigerter Nationalismus, wo ist der zu sehen? Wenn Menschen rufen: „Wir sind das Volk!“? Wenn Menschen auf das angebotene Schlachtfeld anspringen und Migranten dämonisieren, weil für die eigene Bevölkerung nicht so einfach Gelder zur Verfügung gestellt werden?

Und dann noch die hohe Gewaltbereitschaft. Diese ist in allen Formen und von allen Seiten vorhanden. Gegen Ausländer, gegen die eigene Bevölkerung, gegen den Saat, vom Staat gegenüber anderen Staaten durch Sanktionen, Kriege, die sich lieber als humanitäre Interventionen darstellen oder Entwicklungshilfen.

Wer sind also die Faschisten, die die Polizei bei nicht politisch motivierten verhältnismäßigem Handeln schützt?

Ich kann es nicht beantworten. Aber ich höre und lese, wer diesen Begriff immer wieder nutzt, um damit verfassungsfeindliches Verhalten gewalttätiger Gruppen zu legitimieren.

Gabriel: US-Sanktionen sind Angriff auf deutsches Exportmodell

Da stellt also Bundesaußenminister Gabriel fest, das US-Sanktionen ein Angriff auf das deutsche Exportmodell sind. Mein erster Gedanke dazu: Hat er es auch schon gemerkt? Mein zweiter Gedanke: Wen greifen wir mit unseren Sanktionen an?

Aber was interessiert es uns eigentlich, wenn die USA einem Land Sanktionen aufdrücken. Internationale Verbindlichkeit erlangen die Resolutionen der UNO. Geht es hier um UN-Sanktionen? Nein. Es geht um einseitig von der USA erlassene Sanktionen. Und wo und für wen entfalten national erlassene Entscheidungen Rechtswirkung? Auf dem Hoheitsgebiet und für Personen und Institutionen auf diesem Hoheitsgebiet. Dass das so für die USA nicht gelten soll, kann man hier nachlesen:

Joseph Brand, Partner von Squire Patton Boggs, erläuterte die Auswirkungen der US-Sanktionen. Die einseitigen Sanktionen würden in den USA nach dem Prinzip der Extraterritorialität wirken, was bedeute, dass sie sich nicht nur auf die US-amerikanischen Firmen auswirkten, sondern auf alle, die mit den USA am Markt kooperierten. Jedes beliebige Unternehmen, das den US-Dollar als Zahlungsmittel akzeptiere, würde automatisch unter den Geltungsbereich der US-amerikanischen Gesetzgebung fallen.

Kazem Gharib Abadi, stellvertretender Generalsekretär des Rates für Menschenrechte des Iran, verwies auf die iranischen Erfahrungen mit der gerichtlichen Anfechtung von Sanktionen seitens der USA und der EU. „Es gibt zwei Kategorien von Sanktionen: internationale, die vom Sicherheitsrat der UN verhängt werden, und einseitige Sanktionen, die über Beschlüsse der Vereinten Nationen hinausgehen“, erklärte er. Gharib Abadi sieht in einseitigen Sanktionen einen Widerspruch zur UN-Charta. Konstantin Dolgow, bevollmächtigter Vertreter für Menschenrechte des Außenministeriums der Russischen Föderation bedauerte, dass es in der UN-Charta keine eindeutigen Regeln zu unilateralen Sanktionen gebe. Er halte es für ein „Problem, dass die politische und geopolitische Agenda damit beginnt, eine internationale Rechtswirklichkeit zu schaffen“, so Dolgow.

Laut Andrej Klischas, Vorsitzender des Komitees des Rates der Russischen Föderation für die verfassungsgebende Gesetzgebung und staatlichen Aufbau, komme hinzu, dass das Prinzip der Extraterritorialität der Sanktionen im Widerspruch zu den internationalen Normen stehe. Insbesondere könne die Verwendung der US-amerikanischen Währung durch Dritte nicht bedeuten, dass diese automatisch unter US-amerikanische Gerichtsbarkeit fielen. „Es würde uns nie in den Sinn kommen, diejenigen, die russisches Erdgas beziehen, unserer Jurisdiktion zu unterstellen“, so Klischas…

Was passiert, also wenn man sich nicht an die nationalen Sanktionen der USA hält? Man wird vom internationalen Zahlungsverkehr abgeschnitten, welcher über S.W.I.F.T. läuft. Nun hat diese Organisation ihren Sitz in Belgien. Das heißt, sie unterliegt belgischem Recht. Das das egal ist, sieht man z.B. bezüglich der Nordkorea-Krise. Die USA will China gefügig machen, damit die Sanktionen nicht umgangen werden.

Der US-Finanzminister droht den Chinesen nicht einfach nur mit einem Handelskrieg, sondern auch vom Ausschluss aus dem Dollar-System (also SWIFT, welches jedoch eigentlich nach EU-Recht vorgeht). Bereits in den Jahren 2014 und 2015 wurden diverse russische Banken auf Druck der USA vom SWIFT-System ausgeschlossen.

Wie heißt nochmal (derzeit) die Leitwährung? Richtig, Dollar. Und schon sieht sich die USA als zuständig an. Will man Geld überweisen, benötigt man eine Zahlungskarte. Schaut mal in eure Geldbörsen. Wenn dort eine Kreditkarte drin steckt, sind im überwiegenden Maßen Mastercard und Visacard vertreten. Wer keine Kreditkarte benötig, hat zumindest eine Debitkarte. Dort ist im überwiegenden Maßen Maestro oder V Pay, was nicht anderes bedeutet, dass diese Karten von Master oder Visa ausgegeben werden. Diese unterliegen der Gerichtsbarkeit der USA. Sanktionswidriger Einsatz im Zahlungsverkehr dieser Karten und es ist vorbei mit Bargeld abheben oder Transaktionen ausführen.

Wie tangieren uns also Sanktionen der USA? Nicht nur peripher. Sie stechen mitten ins Herz. Was wäre die Alternative zum Lamentieren? Loslösung vom Dollar. Eigenes Zahlungssystem. Kooperatives Miteinander mit internationalen Partnern, damit bei einem unserer wichtigsten internationalen Partnern auch wieder von Freunden bzgl. Deutschland gesprochen wird.

Die Obergrenze 

Da gibt es diesen Wahl-O-Maten. Hat sich jemand den Spaß gegönnt. Mehr als Spaß ist es ja nicht, wenn eine einzelne Frage mit ja, nein oder durch weglassen beantwortet werden kann, die ein komplexes Thema behandelt, für dessen Beantwortung rechtliche Grundlagen bekannt sein müssen und zum Teil gar nicht existieren. Besonders aufgestoßen ist mit die bei der Frage nach der Obergrenze für Asylsuchende. Also wie soll ich bei dieser Frage abstimmen? Und was passiert eigentlich in dem Zeitraum, in dem über die Obergrenze debattiert wird und irgendwann in einem Gesetz umgesetzt wird? Wir vorsichtshalber das deutsche Asylrecht angewandt oder ausgesetzt? Jeder kann für sich die Frage nach der jährlichen Obergrenze für Asylsuchende beantworten und überprüfen, in wieweit sie sich mit zutreffend, neutral oder nicht zutreffend beantworten lässt.
Voranstellen möchte ich meine Auswahl – nicht zutreffend. Meine Begründung diesbezüglich lautet wie folgt:
Rechte und Pflichten von Flüchtlingen sind in der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) geregelt.  Menschen, die den in der GFK beschriebenen Status inne haben, genießen Asyl mit allen Rechten und Pflichten. Wer entsprechende Pflichten missachtet, kann sich nicht auf die Rechte berufen. Ein Asylsuchender hat mit Betreten der EU sein Asylbegehr anzugeben. Dieses wird geprüft und der Asylsuchende wird hierfür innerhalb der EU untergebracht. Hierzu ist schnellstmöglich eine einheitliche Regelung unter den Mitgliedstaaten zu treffen, wie eine EU-weit einheitliche Behandlung von Asylsuchenden entsprechend der GFK gewährleistet wird.
Im folgenden kann verglichen werden, ob Übereinstimmung beim Wahl-O-Mat mit anderen Parteien tatsächlich eine Übereinstimmung ist.

Obergrenze für Asylsuchende; ja – nein – neutral

Der Wahl-O-Mat bietet die Möglichkeit zustimmen (ja) – neutral – nicht zustimmen (nein). Zu allen gestellten Fragen kann man sich hier die Abstimmung der 32 teilnehmenden Parteien ansehen. Zur Frage der Obergrenze für Asylsuchende legten sich die Parteien im 19. Bundestage vertretenen Parteien wie folgt fest.

  • Zustimmung: AFD
  • Neutral: CDU/CSU
  • Keine Zustimmung: SPD, LINKE, GRÜNE, FDP

Ich bin ebenfalls gegen eine Obergrenze. Also liege ich mit SPD, LINKE, GRÜNE und FDP auf Linie und der Wahl-O-Mat würde mir diesbezüglich diese Parteien vorschlagen. Aber ob ich auf Linie liege, zeigt doch erst die Begründung, die zu dieser Ablehnung geführt hat. Die Begründungen der Parteien kann man sich anzeigen lassen. Natürlich erst nachdem der Wahl-O-Mat das Ergebnis der Übereinstimmungen errechnet hat und nachdem bis zu 8 Parteien ausgewählt wurden. Dann kann man sich ansehen, ob der Grund der übereinstimmenden Beantwortung der Frage auch übereinstimmend begründet wird. Die Begründungen lauten wie folgt:

„CDU und CSU wollen, dass die Zahl der Flüchtlinge, die zu uns kommen, dauerhaft niedrig bleibt. Eine Situation wie im Jahre 2015 soll und darf sich nicht wiederholen.

Für die CDU ist jedoch eine jährliche Obergrenze nicht das richtige Instrument.

Für die CSU ist eine Obergrenze von 200 000 neuen Flüchtlingen pro Jahr notwendig für eine gelingende Integration. Unsere Verantwortung ist eine doppelte: gegenüber unserer heimischen Bevölkerung und gegenüber wirklich schutzbedürftigen Flüchtlingen.”

„Wir stehen für eine humanitäre Flüchtlingspolitik und eine solidarische Verteilung der Flüchtlinge auf alle EU-Mitgliedstaaten. Mit einem EU-Solidaritätspakt regeln wir, dass Länder, die Solidarität in wichtigen Fragen verweigern, finanzielle Nachteile in Kauf nehmen müssen. Mit einem Gesamtkonzept Migration gewährleisten wir Kontrolle und verhindern Überforderung. Anerkannte Flüchtlinge werden wir besser integrieren und abgelehnte konsequenter in ihre Herkunftsländer zurückführen.”

„Menschenrechte kennen keine Obergrenze. Geflüchteten muss unabhängig von ihrer Zahl Schutz vor Verfolgung wegen ihrer Religion, Rasse, politischen Überzeugen u.a. gewährt werden – sagt auch die Genfer Flüchtlingskonvention. Das war auch eine Schlussfolgerung aus den Fluchtbewegungen des II. Weltkrieges. Im Gegensatz zu allen anderen im Bundestag vertretenen Parteien haben wir jede Einschränkung des Asylrechts abgelehnt. Wir wollen das Grundrecht auf Asyl wiederherstellen.”

„Mit uns wird es keine Obergrenze geben. Wir stehen für die uneingeschränkte Bewahrung des individuellen Grund- und Menschenrechts auf Asyl. Das entspricht unserer Verantwortung in einer globalisierten Welt und ist ein Gebot des Völkerrechts und der Menschlichkeit.”

„Wir Freie Demokraten halten das Menschenrecht auf Asyl für nicht verhandelbar. Wir lehnen deshalb auch jede Form von festgelegten Obergrenzen bei der Gewährung von Asyl klar ab. Zudem wollen wir ein geordnetes Einwanderungsrecht schaffen. Dabei muss zwischen individuell politisch Verfolgten, Kriegsflüchtlingen und dauerhaften Einwanderern klar unterschieden werden.”

„… und zwar eine Obergrenze von Null. Solange dies aber nicht erreichbar ist, fordert die AfD eine Minuszuwanderung, d.h. die Zahl der Abschiebungen muss die Zahl der Neuanträge überschreiten. Deutschland verkraftet nicht weitere Millionen unqualifizierter und vielfach unqualifizierbarer und nicht integrationsbereiter Menschen. Sowohl die Integrationsfähigkeit als auch die finanzielle Leistungsfähigkeit unseres Landes werden bereits seit Jahren überfordert. Dies war früher übereinstimmende Meinung von Politikern wie Helmut Schmidt u. a. und von Integrationsfachwissenschaftlern. Es ist kein Zufall, dass selbst klassische Einwanderungsländer wie Australien oder Kanada völlig andere Wege gehen, um nicht unter der Migrationslast zu versagenden Staaten zu werden. Wir wollen, wie solche Staaten, qualifizierte Zuwanderung nach Bedarf, die unserm Land nützt und kulturell verträglich ist.”

Und? Stimmen die getroffenen Begründungen zu Ihrer übereinstimmenden Angabe überein? Bei mir nicht eine. Am ehesten stimme ich mit der nichtssagenden Begründung der CDU überein. Den eine Obergrenze ist tatsächlich nicht das richtige Instrument. Aber zum richtigen Instrument werden keine Angaben gemacht.

Analyse der Aussagen

Schauen wir uns ein paar Aussagen an.

  • Grund- und Menschenrecht auf Asyl
  • Genfer Flüchtlingskonvention
  • wirklich schutzbedürftige Flüchtlinge
  • dauerhafte Einwanderung
  • Integration von Flüchtlingen
  • solidarische Verteilung

Menschenrecht auf Asyl

Die LINKE startet ihre Begründung, dass Menschenrechte keine Obergrenze kennen. Dem ist wohl zuzustimmen. Die GRÜNEN und die FDP sprechen von einem Menschenrecht auf Asyl. Regelungen zu Menschenrechten findet man z.B bei den Vereinten Nationen als Allgemeine Erklärung der Menschenrechte A/RES/217 A (III). Im Artikel 14 Abs. 1 dieser Resolution wird das Recht auf Asyl wie folgt beschrieben:

Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.

Verfolgung wird in der Resolution nicht weiter beschrieben. Die Begriffe Asyl und Verfolgung werden auch nur im Artikel 14 benannt. Abs. 2 schränkt den Begriff der Verfolgung lediglich dahingehend ein, dass Strafverfolgung nicht zum Recht auf Asyl führt. Wenn man sich nun anschaut, wie Menschenrechte definiert werden, stellt man fest, dass doch nicht jeder Mensch das Recht auf Asyl besitzt, sondern nur eine bestimmte Gruppe. Nämlich die der Verfolgten. Aber der

Geltungsanspruch der Menschenrechte ist universal. Das heisst, es besteht ein Anspruch, dass die Menschenrechte für alle Menschen gelten, und zwar in einem doppelten Sinne: Erstens gilt jeder einzelne Mensch als Träger/in derselben Menschenrechte; zweitens soll jeder Mensch die moralische und rechtliche Geltung der Menschenrechte anerkennen. Aufgrund unterschiedlicher kultureller Wertvorstellungen und Gesellschaftsformen werden Menschenrechte jedoch nicht von allen Menschen gleich aufgefasst und in gleicher Weise anerkannt. Dies führt immer wieder zu endlosen Diskussionen über die Universalität der Menschenrechte.

Kann man in diesem Sinne noch von einem Menschenrecht sprechen, dass universell für alle Menschen gilt, wenn es jedoch „nur“ der Gruppe der Verfolgten gilt? Laut der UNO Flüchtlingshilfe waren Ende 2016 65,5 Mio Menschen auf der Flucht. Das sind weniger als 1 % der Weltbevölkerung. Von dieser Anzahl an Flüchtlingen sollen Ende 2016 weltweit nur ca. 2,8 Mio Menschen Schutz als Flüchtling (im Sinne der GFK) suchen. Da jedoch nicht jeder Verfolgte in ein anderes Land flüchtet, sondern nur innerhalb bestimmter Grenzen flüchtet, dürfte die Zahl der tatsächlich Verfolgten trotzdem deutlich höher ausfallen.

In der Charta der Grundrechte der Europäischen Union ist zum Thema Asyl in Artikel 18 folgendes geregelt:

Das Recht auf Asyl wird nach Maßgabe des Genfer Abkommens vom 28. Juli 1951 und des Protokolls vom 31. Januar 1967 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge sowie gemäß dem Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft gewährleistet.

Auf die GFK komme ich im weiteren Verlauf zu sprechen. Der Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft legt im Artikel 63 fest, dass innerhalb von 5 Jahren nach in Kraft treten des Amsterdamer Vertrages (1. Mai 1999):

  1. in Übereinstimmung mit dem Genfer Abkommen vom 28. Juli 1951 und dem Protokoll vom 31. Januar 1967 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge sowie einschlägigen anderen Verträgen Asylmaßnahmen in folgenden Bereichen:
    • a)  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines Asylantrags zuständig ist, den ein Staatsangehöriger eines dritten Landes in einem Mitgliedstaat gestellt hat;
    • b)  Mindestnormen für die Aufnahme von Asylbewerbern in den Mitgliedstaaten;
    • c)  Mindestnormen für die Anerkennung von Staatsangehörigen dritter Länder als Flüchtlinge;
    • d)  Mindestnormen für die Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Zuerkennung oder Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft;
  2. Maßnahmen in bezug auf Flüchtlinge und vertriebene Personen in folgenden Bereichen:
    • a)  Mindestnormen für den vorübergehenden Schutz von vertriebenen Personen aus dritten Ländern, die nicht in ihr Herkunftsland zurückkehren können, und von Personen, die anderweitig internationalen Schutz benötigen;
    • b)  Förderung einer ausgewogenen Verteilung der Belastungen, die mit der Aufnahme von Flüchtlingen und vertriebenen Personen und den Folgen dieser Aufnahme verbunden sind, auf die Mitgliedstaaten;

Diese Festlegung fand im Rahmen der Dublin-II-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines Asylantrages zuständig ist, den ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in einem Mitgliedstaat gestellt hat.) ihren Platz gefunden. Eine Zusammenfassung dazu ist hier zu finden. Hinsichtlich des Verfahrens stellte die Kommission 2007 fest:

dass die Ziele des Dublin-Systems im Allgemeinen erreicht wurden. … Hinsichtlich der praktischen Anwendung und der Wirksamkeit des Systems bestünden noch Probleme.

Dies Probleme wurden besonders deutlich im Rahmen der Flüchtlingskrise 2015 ff. Diesbezüglich ist ein einheitliches Vorgehen hinsichtlich Grenzsicherung vs. Flüchtlingsaufnahme erforderlich. Es ist meines Erachtens nach nicht vermittelbar, wenn ein Mitgliedsland enorme Kosten zur Grenzsicherung auf sich nimmt, zu der es verpflichtet ist, und ein anderes Mitgliedsland diese Grenzsicherung konterkariert und dann nach Wegen sucht, die aufgenommenen Flüchtlinge auch auf eben diese Länder zu verteilen, die ihrer Pflicht nachgekommen sind.

Für mich steht jedenfalls fest, dass das Menschenrecht auf Asyl ein sehr eingeschränktes Recht ist, welches einem universellen Recht aller Menschen nicht gerecht wird. Eine Umschreibung in – Kein Mensch darf verfolgt werden. Wer dennoch verfolgt wird, hat das Recht, in anderen Ländern Asyl zu suchen und zu genießen. – würde es zu einem universellen Menschenrecht machen.

Grundrecht auf Asyl

Im Artikel 16a des Grundgesetzes (GG) der Bundesrepublik Deutschland findet das Asylrecht Eingang. Demnach genießen politisch Verfolgte Asylrecht. Das entspricht der Aussage der Menschenrechtserklärung der UN.
Mit dem GG ergibt sich folgende Problematik. Der Geltungsbereich des Gesetzes betrifft ausschließlich das Staatsgebiet der BRD. Niemand außerhalb des Staatsgebietes kann sich auf das GG berufen. In der Präambel des GG, zuletzt geändert durch Art. 1 G v. 13.7.2017 I 2347, erscheint folgender Satz:

Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.

Diese Satz empfinde ich sehr problematisch. Geltungsbereich des GG ist wie bereits gesagt das Deutsch Staatsgebiet und es gilt für das gesamte deutsche Volk. Als dürften dem Wortlaut nach nur Deutsche Volksangehörige auf deutschem Staatsgebiet dem Asylrecht unterliegen. Schlimmer noch, für nicht Deutsche Volksangehörige gilt das GG auf Deutschem Staatsgebiet nicht? Z.B. das Recht auf körperliche Unversehrtheit muss nur durch das Deutsche Volk gewahrt werden? Dieser Satz sollte ganz schnell geändert werden auf: Damit gilt dieses GG für alle Bürger auf Deutschem Staatsgebiet.

Für die Grundrechte ergibt sich wieder das gleiche Problem, wie bei den Menschenrechten.

Unter Grundrechten versteht man grundlegende Freiheitsrechte, welche Individuen gegenüber dem Staat besitzen. Diese Rechte sind unveräußerlich, dauerhaft und einklagbar. Die Gewährung von Grundrechten durch den Staat steht in enger Verbindung mit der Entwicklung der Menschenrechte. Die Menschenrechte werden in ihrer naturrechtsphilosophischen Betrachtung als grundlegende Gesetze angesehen, welche unveräußerlich sind und somit Vorrang vor den eigentlichen rechtlichen Bestimmungen des Staates (positives Recht) haben.

Das Grundrecht auf Asyl haben wiederum nur politisch Verfolgte. Und im Artikel 16a Abs. 2 wird das Grundrecht noch weiter eingeschränkt. In Deutschland haben dieses Recht nur, wer nicht

aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaften oder aus einem anderen Drittstaat einreist, in dem die Anwendung des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten sichergestellt ist.

Da Deutschland nur von Mitgliedsstaaten der EU und von sicheren Drittstaaten umgeben ist, besteht für keinen Menschen weltweit die Möglichkeit in Deutschland rechtskonform einen Asylantrag zu stellen. Kann man das noch Grundrecht nennen?
Die GRÜNEN wollen dieses individuelle Grundrecht auf Asyl bewahren. Nennt sich so etwas noch Sarkasmus? Die LINKE will dieses Grundrecht wiederherstellen. Es muss als einmal die Möglichkeit gegeben haben, rechtskonform nach Deutschland zu reisen und Asyl zu beantragen. Der jetzige Stand des Asylrechts beruht auf dem Asylkompromiss von 1992. Und wer meint, an könnte in einer Deutschen Botschaft oder einem Konsulat Asyl beantragen, der irrt.
Und weil ich der Wahl-O-Mat von der BPB erstellt wurde, hier eine Aussage der BPB zum Asylrecht:

Das GG gewährt als eine der wenigen Verfassungen der Erde unter bestimmten Voraussetzungen jedem politisch Verfolgten einen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch auf Asyl (Art. 16 a GG) und zieht damit die historischen Lehren aus der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft (1933–45). Als politisch Verfolgter gilt jeder, der wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung Verfolgungsmaßnahmen mit Gefahr für Leib und Leben oder Beschränkungen seiner persönlichen Freiheit ausgesetzt ist oder solche Verfolgungsmaßnahmen begründet befürchtet und den Schutz seines Heimatstaates nicht wahrnehmen kann. Daran hat auch die umstrittene Änderung des GG von 1993 (sog. Asylkompromiss) im Grundsatz nichts geändert, die im Ergebnis die Inanspruchnahme des Asylrechts erschwert hat.

Genfer Flüchtlingskonvention

Das Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge regelt, wer ein Flüchtling im Sinne dieses Abkommens ist und welche Rechte und Pflichten bestehen. Nach Artikel 1 der GFK handelt es sich bei einem Flüchtling um eine Person,

die aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann.

Das Zitat stammt aus einem Beitrag der Heinrich-Böll-Stiftung. Ein Problem der GFK wird hier richtig erkannt.

Kontext für (Flucht-)Migration seit der Ratifizierung der Genfer Konvention in hohem Maße verändert. Treibel dazu: „Das gegenwärtige Fluchtgeschehen ist mit dieser Definition, die Binnenflucht, displacement (Verschleppung, Vertreibung), Flucht vor Krieg und Natur- oder Umwelt-Katastrophen ausschließt, nicht mehr abgedeckt.

Bei Binnenflüchtlingen oder bereits verschleppten Personen kann die GFK nicht greifen. Selbst die UN-Charta vermag hier kaum zu helfen. Aber es beginnt schon hier eine aus meiner Sicht unzulässige Vermischung. Bei Naturkatastrophen würde ich auch flüchten. Aber käme ich da auf die Idee, einen Asylantrag im Aufnahmeland zu stellen? Auch Menschen die nicht vor Gewalt flüchten, sondern aus wirtschaftlichen Gründen das Land verlassen, sollen laut diesem Beitrag Flüchtlinge sein, mit Recht auf Asyl? Hierfür sollte es Einwanderungsgesetze geben, innerhalb derer festgestellt werden kann, ob die antragstellende Person in der Lage ist, sich im aufnehmenden Land versorgen zu können. Die GFK zieht eine klare Trennlinie zwischen asylberechtigten Menschen und Aus-/Einwanderern.

Die Rechte und Pflichten von Flüchtlingen regelt die GFK wie folgt:

Ein Flüchtling hat u.a. ein Recht

  • auf Schutz vor Diskriminierung aufgrund von Rasse, Religion oder des Herkunftslandes (Artikel 3 GFK).
  • auf Religionsfreiheit (Artikel 4 GFK).
  • auf Zugang zu den Gerichten (Artikel 16 GFK).
  • auf einen Reiseausweis für Flüchtlinge (Artikel 28 GFK).
  • auf Straffreiheit in Bezug auf die illegale Einreise bei unmittelbarer Einreise aus dem Fluchtland und sofortiger Meldung bei den Behörden (Artikel 31, Abs. 1 GFK).
  • auf Ausweisungsschutz (Artikel 33 GFK), Grundsatz der Nichtzurückweisung. Verbot der Zurückweisung in ein Land, in dem der Flüchtling Verfolgung fürchten muss (Non-Refoulement-Prinzip);
  • auf Gleichbehandlung gegenüber anderen Ausländern (Artikel 7, Nr. 1 GFK).

Neben den Rechten sind in der Flüchtlingskonvention auch Pflichten des Flüchtlings festgelegt.

  • Die Gesetze und Bestimmungen des Asyllandes hat der Flüchtling zu respektieren (Artikel 2 GFK).
  • Jede Person hat individuell nachzuweisen, dass ihre Furcht vor Verfolgung begründet ist.

Wirklich schutzbedürftige Flüchtlinge

Diese Aussage stammt von der CSU, die eine Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen vorsieht. Wie bereits anhand den vorherigen drei Punkten gezeigt, ist diese Forderung quatsch. Denn es gibt niemanden, der ohne Rechtsverstoß in Deutschland Asyl begehren kann. Im Rahmen des Dublin-II-Verfahrens kommt natürlich eine den Teilnehmerstaaten entsprechende Verteilung zum Tragen. Und auch Deutschland ist Unterzeichner der GFK. Wie erklärt also die CSU dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, dass ab den 200.001 unter die GFK fallenden Flüchtling die BRD eben diese aussetzt?

Jedoch wird erkannt, dass auch andere Menschen flüchten und einreisen, die eben kein Asylrecht genießen, sich aber trotzdem auf dieses berufen.

Dauerhafte Einwanderung

Dauerhafte Einwanderung wird von der FDP genannt. Denn hier wird richtig erkannt, dass es ein unterschied zwischen Flüchtlingen als Verfolgte und zwischen – um nicht mit der Begriffsbestimmung der GFK in Konflikt zu geraten – Geflüchteten gibt. Das Streben nach Wohlstand und die damit verbundene Flucht in das erstrebenswerte Leben soll hier nicht negativ gesehen werden, sondern als das normalste der Welt. Es soll hier auch nicht weiter betrachtet werden, dass durch die internationale Politik dieser Missstand immer weiter gefördert wird. (Warum das so ist, kann man z.B. hier, hier oder hier nachlesen.) Jedoch macht es einen Unterschied, ob ich einem Verfolgten Hilfe leiste, oder ob sich eine Person aufgrund der Flucht wirtschaftliche Vorteile sichert. Hier soll und darf das Asylrecht nicht greifen. Schauen wir also beim Bundesamt für Migration und Flüchtling (BAMF), welche Möglichkeiten es gibt.

Wenn Sie kein Staatsangehöriger eines Mitgliedstaates der Europäischen Union (EU) oder eines der anderen Mitgliedstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) sind, benötigen Sie für den Aufenthalt in Deutschland grundsätzlich einen Aufenthaltstitel. Neben dem Visum für die Einreise und den anschließenden kurzfristigen Aufenthalt wird der Aufenthaltstitel erteilt als

Die Staatsangehörigen der Schweiz und ihren Familienangehörigen erteilte Aufenthaltserlaubnis dient nur dem Zweck, das bestehende Freizügigkeitsrecht zu bescheinigen. Sind Sie Familienangehöriger eines EU– oder EWR-Bürgers und deshalb freizügigkeitsberechtigt, wird Ihnen hierzu eine Aufenthaltskarte ausgestellt.

Alle diese genannten Möglichkeiten sind im Aufenthaltsgesetz niedergeschrieben. Beim BAMF und auch beim Auswärtigen Amt wird bei diesem Gesetz seit 2005 von einem Zuwanderungsgesetz gesprochen.

Voraussetzung für die legale Einreise nach Deutschland ist für den überwiegenden Teil der Nicht-EU-Staatler das Visum. Die Visabestimmungen lassen sich beim Auswärtigen Amt finden. Da es sich um eine dauerhafte Einreise handelt, müssen folgende Punkte zur Erteilung eines Visums erfüllt sein:

  1. Plausibilität und Nachvollziehbarkeit des Reisezwecks in Deutschland
  2. Finanzierung der Lebenshaltungs- und Reisekosten aus eigenem Vermögen bzw. Einkommen
  3. Bereitschaft des Visuminhabers, vor Gültigkeitsablauf des Visums wieder aus dem Schengen-Raum auszureisen,
  4. Vorlage einer für den gesamten Schengen-Raum und für die gesamte Aufenthaltsdauer gültigen Reisekrankenversicherung mit einer Mindestdeckungssumme von 30.000 Euro.

Das Visum für einen längerfristigen Aufenthalt muss grundsätzlich vor der Einreise bei der zuständigen Auslandsvertretung beantragt werden. Es bedarf grundsätzlich der Zustimmung der zuständigen Ausländerbehörde in Deutschland. Zuständig ist die Ausländerbehörde des Ortes, an dem der Ausländer seinen Wohnsitz nehmen wird. Ist im Visumverfahren die Zustimmung der Ausländerbehörde erforderlich, kann das Verfahren bis zu drei Monaten, gelegentlich auch länger, dauern, da neben der Ausländerbehörde oft noch weitere Behörden (wie die Bundesagentur für Arbeit) beteiligt sind. Die Auslandsvertretung darf das beantragte Visum erst dann erteilen, wenn die Zustimmung der Ausländerbehörde vorliegt.

Visa, die zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit berechtigen, bedürfen oftmals nicht der Zustimmung der Ausländerbehörde, was zu einer Beschleunigung des Visumverfahrens in diesen Fällen führt.

Wenn man sich das so ansieht, wird verständlich, was eine Schleusung und einen missbräuchlichen Asylantrag so attraktiv macht. In wie weit sich die entstehenden Kosten ähneln, kann ich nicht beurteilen. Jedoch nur bei einer Variante muss die Kostendeckung vorgewiesen werden.

Integration von Flüchtlingen

Die Integration von Flüchtlingen ist derzeit ein sehr hoch angebundenes Thema. Da müssen wir ganz viel dafür tuen. Warum eigentlich? Wir müssen entsprechende Angebote machen, dass ist klar. Jedoch muss derjenige, der Dauerhaft in Deutschland bleiben will ausreichende Sprachkenntnisse nachweisen, um eine Niederlassungserlaubnis zu erhalten. Das ist das Eine. Das Andere ist, dass sich ein Flüchtling, der Schutz genießen will, laut der GFK Gesetze und Bestimmungen des Asyllandes zu respektieren. In diesem Sinne ist doch egal, in welcher Sprache er das tut. Mehr Integration als Bestimmungen und Gesetzte zu respektieren ist meiner Ansicht nach nicht nötig. Das BAMF versteht under Integration;

Integration ist ein langfristiger Prozess. Sein Ziel ist es, alle Menschen, die dauerhaft und rechtmäßig in Deutschland leben, in die Gesellschaft einzubeziehen. Zugewanderten soll eine umfassende und gleichberechtigte Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen ermöglicht werden. Sie stehen dafür in der Pflicht, Deutsch zu lernen sowie die Verfassung und die Gesetze zu kennen, zu respektieren und zu befolgen.

Sprich, es handelt sich um die Pflicht aus der GFK + Deutschkenntnisse für längerfristigen Aufenthalt. Wer das nicht will, kann nicht längerfristig bleiben, oder bleibt aufgrund eines Abschiebehindernisses trotzdem. Das sind dann diejenigen, die sich mit noch so vielen Angeboten nicht integrieren lassen (wollen)

Solidarische Verteilung

Das Solidarische hat bei der SPD einen hohen Stellenwert, zumindest in der Quantität der Nennungen. Die Zuständigkeit im Asylverfahren innerhalb der EU regelt wie schon oben genannt das Dublin-II-Verfahren. Diese Verordnung ist ein Teil des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS). Dieses besteht aus mehreren EG-Richtlinien, die das Verfahren, die Aufnahme, die Anerkennung und die Zuständigkeit im Asylverfahren europaweit regeln. Was nicht geregelt wird ist die Verteilung.

Wie sieht die Solidarität in dieser Frage bisher aus? Im September 2015 beschlossen die EU Innenminister, dass 120.000 Flüchtlinge aus den überlasteten Staaten Griechenland und Italien in der EU verteilt werden. Hat nicht so geklappt, so dass der EuGH entscheiden musste, siehe dieser Artikel hier von 23.09.2017:

Die Slowakei und Ungarn klagten – und kassierten eine deftige Niederlage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Sie – wie auch Polen und Tschechien -, die bisher keine oder fast keine Asylbewerber aufgenommen haben, müssen ihrer Pflicht nun nachkommen. … Ungarn müsse wie vereinbart 1294 Flüchtlinge übernehmen … Nur wenige EU-Staaten haben ihr Soll ganz oder überwiegend erfüllt. Warum wird Ungarn bestraft, bei dem eine Null auf dem Zettel steht, aber nicht Österreich, das bloß 15 von 1953 aufgenommen hat? Deutschland hängt mit einer Quote von 28 Prozent hinterher, wird aber nur ermahnt.

Ich finde es nur solidarisch im Sinne des Deutschen Politikverständnisses, dass man bei Deutschland von den Totalzahlen weggeht und nut noch von Prozenten spricht. Man könnte ja sonst feststellen, dass Deutschland sich für noch immer für die Aufnahme von mehr Flüchtlingen solidarisch zeigen müsste als Ungarn.
Laut diesem Artikel sollte Deutschland 31.433 Flüchtlinge aufnehmen. Zuvor hatte die Bundesregierung zugesagt 10.500 Flüchtlingen aufzunehmen. Bei 28 % bedeutet das, dass noch nicht einmal die 10.500 selbstverpflichteten Flüchtlinge aufgenommen wurden, sondern nur ca. 8.800. Das ist doch mal solidarisch, oder?

Fazit

Eine Obergrenze kann es nicht geben, da jeder Verfolgte das Recht hat, ein Asylverfahren zu genießen.

Der erwähnte Wahl-O-Mat war reinste Zeitverschwendung, hat aber zum Glück nicht so viel Zeit in Anspruch genommen. Fragen und Thesen waren so kurz gehalten, dass man sie mit Geschwätz beantworten kann. Eine Auseinandersetzung mit dem kompletten Wahlprogramm kann dies nicht ersetzen. Und da ein Wahlprogramm eben nur ein Programm für die Wahl ist, ist es unabdingbar sich mit dem Arbeitsprogramm der Partei auseinander zu setzen. Nach der Wahl 1998 war doch irgendetwas merkwürdiges passiert, was so nicht im Wahlprogramm stand.

#BTW17

Da, ein Nazi! Da gleich noch einer! Die NSDAP hat auch nur mit 18 % angefangen. Und jagen wollen sie auch noch! Wie konnte das nur passieren? Oh nein!

Ich weiß nicht, was an dem Ergebnis der Bundestagswahl so schockierend sein soll. Es haben sechs Parteien den Einzug in den Bundestag geschafft. Die AFD ist mit 12,6 % dabei. Wer weniger erwartet hatte, hat wahrscheinlich nicht zugehört, sondern zu laut „Da, eine Nazi!“ geschrien und mit seinem ausgestreckten Zeigefinger den Blick aufs wesentliche verbaut. Das schlimmste, was jetzt noch passieren kann, ist, dass sie auch noch gute Politik machen. Aber diese Befürchtung wird sich wohl eher nicht Bewahrheiten, siehe hier und hier.

Viel überraschender finde ich FDP und GRÜNE. Wobei Ein Wort zum Wahlkampf bei Analitik gezeigt hat, worauf es hinaus läuft. Der Wunschkandidat FDP für die CDU/CSU kam auf 10,7 %. Allerdings konnte dieses Plus von 6 % das Minus von 8,6 % von CDU/CSU nicht kompensieren. Diese erreichten gemeinsam 33 %. Als möglicher Koalitionspartner steht die GRÜNE zur Diskussion. Ende August war der Einzug der GRÜNEN in den Bundestag mehr den je gefährdet. Aus dieser (meiner) Hoffnung wurden dann doch stattliche 8,9 % und damit ein potentieller Regierungspartner. Zu dieser Konstellation später mehr. Profitiert haben die GRÜNEN m.M.n. dabei von der medialen Unterstützung, mit der die FDP gepusht wurde. Es gab ein Inhalteduell zwischen FDP-Lindner und GRÜNEN-Özdemir, welches sich interessanter gestaltete als das Duell der Spitzenkandidaten der CDU und SPD, also zwischen Angela Merkel und Angela Merkel ohne Bart (bei PPQ geklaut). Wie sich dort duelliert wurde… Zwei Mitglieder der Partei GROKO hatten über die letzten und nächsten vier Jahre ihrer Regierungszeit gesprochen. Und jetzt, so kurz nach der Wahl soll das schon vorbei sein? Der wahrhaftige Messias will die Opposition anführen?
Bleibt jetzt noch die LINKE? 9,2 % echte, nicht staatstragende, Opposition, allerdings hinsichtlich Gender-Mainstreaming ganz vorn dabei. Solides Ergebnis.

Der 19. Bundestag

Der 19. Bundestag bietet Platz für 709 Abgeordnete. 598 Plätze sind vorgesehen. Um die Sitzverteilung an den prozentualen Anteil der Zweitstimmen auszurichten, macht es sich erforderlich, die durch Erststimmen vergebenen Direktmandate (Überhangmandate) auszugleichen (Ausgleichsmandate). Dadurch ergibt sich das Plus von 111 Abgeordneten, bzw. 78 Abgeordneten im Vergleich zum 18. Bundestag. Derzeit beträgt die monatliche Diät eines Bundestagsabgeordneten 9327 € monatlich (brutto). Wenn sich die Qualität der Arbeit im gleichen Maße erhöht, wie die Quantität der Abgeordnetenzahl, würde sich das auszahlen. Nur fehlt mir dafür der Glaube.

Das Wahlergebnis aller Wahlberechtigten

Wie sieht das Ergebnis der Wahl aller Wahlberechtigten aus?

24,8 % – CDU/CSU
24,6 % – Nichtwähler und ungültig Wählende
15,5 % – SPD
09,5 % – AFD
08,1 % – FDP
07,0 % – LINKE
06,7 % – GRÜNE
03,8 % – sonstige

Ich bin ja sehr dafür, dass der Bundestag ein Abbild der Entscheidung aller Wahlberechtigten ist. In dem Falle würde das bedeuten, dass 28,4 % der Sitze im Bundestag frei bleiben. Das hätte entscheidenden Einfluss auf Entscheidungen, die einer qualifizierten Mehrheit bedürfen. Bei Grundgesetzänderungen bedarf es der Zweidrittelmehrheit aller Abgeordneten.  Aus der Floskel „wir müssen den Wähler mitnehmen“ würde harte Arbeit werden, denn bei 33,4 % Nichtwähler, ungültig Wählender und sonstige Parteien Wählender, wäre es vorbei mit der Zweidrittelmehrheit.
Und weil ich gerade bei Reformvorschlägen bin, sollte es keine Regierungskoalitionen mehr geben. Die Regierung ist aus Vertretern aller im Bundestag tatsächlich vertretenen Parteien zu bilden. Ministerposten bleiben natürlich nicht unbesetzt.

Tatsächliche Machtverhältnisse im Bundestag

Wie sehen nun die tatsächlichen Machtverhältnisse im Bundestag aus? Von 709 Abgeordneten stellen:

CDU/ CSU – 246 Abgeordnete = 34,7 %
SPD – 153 Abgeordnete = 21,8 %
AFD – 94 Abgeordnete = 13,2 %
FDP – 80 Abgeordnete = 11,3 %
LINKE – 69 Abgeordnete = 9,7 %
GRÜNE – 67 Abgeordnete  = 9,4 % (0,1 % Abweichung durch Rundung)

Regierungsbildung

Um eine Regierung bilden zu können, die für ihre Entscheidungen sicher eine Mehrheit erhält, sollten mindesten 355 Abgeordnete Mandatsträger der Regierungsparteien sein. Diese können dann Dank des Fraktionszwanges auf Linie gebracht werden der ihrem Gewissen unterliegenden freien Entscheidung als Mandatsträger das gesamte Volk vertreten.
Welche Konstellationen wären also möglich?

CDU/CSU + SPD = 399 Abgeordnete (44 über Mehrheit) – einzige Zwei-Parteien-Lösung
CDU/CSU + FDP  + LINKE = 395 Abgeordnete (40 über Mehrheit)
CDU/CSU + FDP + GRÜNE = 393 Abgeordnete (38 über Mehrheit)
SPD + FDP + LINKE +GRÜNE = 369 Abgeordnete (14 über Mehrheit)
Koalitionen mit AFD stehen nicht zur Debatte, wären aber rechnerisch mit zwei Partnern  möglich.

Belgienkoalition

Schwarz-Gelb-Rot aus CDU/CSU+FDP+LINKE halte ich für unrealistisch. Kanzleramtschef Altmaier hat der LINKEN die staatstragende Funktion abgesprochen. Zudem ist die Aussicht auf Zuspruch für Kriegseinsätze humanitäre Interventionen und der Aufbau der EU-Armee mit der LINKEN nicht möglich und man wäre auf Stimmen aus der Opposition angewiesen. Keine gute Voraussetzung für die Regierungsarbeit. Jedoch würde mich eine Regierungsbeteiligung der LINKEN sehr interessieren. Das hat nur einen einzigen Grund. Wie sehr wird sie sich verbiegen und von ihrem jahrelang geführtem Weg abweichen. Die GRÜNE hatten ihre Flexibilität bereits unter ROT/GRÜN bewiesen.

Grenadakoalition

Rot-Gelb-Grün-Rot aus SPD+FDP+GRÜNE+LINKE ist noch unrealistischer. Vier Parteien mit einer so knappen Mehrheit kann nicht funktionieren.

Jamaikakoalition

Die derzeit am lautesten diskutierte Koalition ist Schwarz-Gelb-GRÜN aus CDU/CSU+FDP+GRÜNE. Die CDU hat mit der FDP und mit den GRÜNEN Koalitionen in den Landtagen getestet. Von der Seite her keine unrealistische Möglichkeit. Die FDP hat in der Vergangenheit vielfach bewiesen, dass sie zusammen mit CDU/CSU funktionierende Regierungen bilden kann, sich förmlich von der CDU/CSU assimilieren lässt. Was dabei allerdings heraus kommt, haben sie 2013 gemerkt. Eine Partei, die sich nicht vom großen Partner unterscheidet, erhält keine Stimmen. Der Einzug in den Bundestag war futsch. Wenn das nicht erneut passieren soll, muss ein Stück weit eigenes Profil aufbewahrt werden. Das wird meines Erachtens dazu führen, dass keine 100 prozentige Fraktionsdisziplin bei Abstimmungen erreicht wird. Dazu kommen noch die GRÜNEN, die zwar ihre eigene Ideale Verkaufen, bloß um an Machtpositionen weiter Teilhaben zu können. Jedoch sind an der Basis der Partei weit links befindliche Strömungen zu erkennen. Ich meine, dass Parteimitglieder der GRÜNEN von Mitglieder der ANTIFA kaum zu unterscheiden sind. Wie mit solchen Strömungen innerhalb der Partei erfolgreich deutsche Geopolitik betreiben werden kann, ist für mich nicht erkennbar. Auch hier ist ein hoher Anteil von Abweichlern zu erwarten. Da aber nur maximal 38 Abgeordnete abweichen dürfen, um einfache Mehrheiten zu erreichen, wäre das für die CDU/CSU ein sehr riskantes Spiel. Das könnte nur durch einen transatlantischen Koalitionspartner in der Opposition abgefangen werden.

GROKO

Die große Koalition aus CDU/CSU + SPD soll es ja angeblich nicht werden. Sofort nach ersten Hochrechnungen wird verkündet, dass die SPD in die Opposition gehen wird. Das gepolter in der SPD ist jedenfalls riesengroß. Mein Nach-der-Wahl-Rücktritts-Kandidat Nr. 1 und Parteichef Martin Schulz ist von seinem Amt bisher nicht zurück getreten. Meiner Ansicht nach hat das folgenden Grund. Er will vor seinem Rücktritt nochmal richtig austeilen. Den er hat gemerkt, dass er nicht als der Messias der SPD geholt wurde, sondern als derjenige, der für das Desaster verantwortlich gemacht werden soll. Das wenig überraschende Wahlergebnis war abzusehen für diejenigen, die es sehen wollten. Herrn Schulz wurde bereits im Wahlkampf klar gemacht, dass die Partei nicht hinter seinem Wahlkampf steht. Er sagt z.B., er will sich für den Abzug von Atomwaffen aus Deutschland stark machen, die SPD verhindert, dass der Antrag darüber im Bundestag verhandelt wird. Gute Vorraussetzungen für einen Fraktionsvorsitz. Herrn Gabriel, der als Vizekanzler und Außenminister nach dem Rücktritt von Martin Schulz eigentlich gute Karten hätte, Parteivorsitz und/oder Fraktionsvorsitz zu übernehmen, stößt er gewaltig vor den Kopf. Martin Schulz will als Parteivorsitzender Frau Nahles den Fraktionsvorsitz übergeben. Der Rücktritt von Martin Schulz wird kommen, wir dürfen aber gespannt sein, was er zuvor noch Kraft seines Parteivorsitzes umbaut.
Nun zu den Koalitionsverhandlungen. Trotz des historischen Wahldebakels hat sich die Position in der GROKO für die SPD minimal verbessert. Das Machtverhältnis SPD zu CDU/CSU ist von 1 zu 1,61 auf 1 zu 1,60 zwar nur minimal gesunken. Jedoch verbessert sich die Verhandlungsbasis aufgrund der aufgezeigten Probleme bei der Jamaika-Koalition zum Einem, und der Tatsache nur einer Partei Zugeständnisse machen zu müssen zum Anderen, enorm. Außerdem lassen sich für den Koalitionspartner unschöne Entscheidungen nicht mehr so einfach durchdrücken, den die Zahl der möglichen Abweichler ist mit 44 doch recht gering. Meiner Meinung nach die aussichtsreichste Koalitionsmöglich mit dem Vorteil, dass man sich kennt. Und noch eines. Ständige Kämpfe um mehrheitsfähige Beschlüsse helfen der CDU nicht, sich für die Zukunft aufzustellen. Zukunft heißt für die Zeit nach Angela Merkel. Ein geeigneter Kandidat muss in Position gebracht werden und sollte im Optimalfall keine Niederlagen einstecken müssen.

Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

Nachtrag AFD:
Die AFD beginnt zum Zeitpunkt des größten Erfolges bereits zu bröckeln. In einem Kommentar bei Peds-Ansichten wird folgende Theorie aufgestellt (Auszug):

Schwarz-Gelb kommt zusammen auf 326 Sitze.
30 mehr und es würde für eine Regierungsbildung reichen.

Und wenn Frau Petry in der doch recht zusammengewürfelten AfD-Fraktion mit den Trögen einer Regierungsbeteiligung werben kann, ist es durchaus vorstellbar, dass sie die Mannschaft zu Stande bringt.
Vermutlich sogar mehr als die nötigen 30.

Irgendwo sagte Petry sinngemäß nach dem „Platzen der Bombe“, sie wolle Regierungsarbeit leisten und nicht den Störenfried spielen (ich glaube es auf tagesschau.de gelesen zu haben, bin mir aber nicht sicher).

Auch wenn es zunächst eventuell eine Minderheitsregierung wäre, käme so eine völlig ungebremste neoliberale Regierung zu Stande.

Dabei sollte nur folgendes beachtet werden.

Für den Fraktionsstatus im Bundestag sind neben dem überwinden der 5-%-Hürde auch mindestens 3 Direktmandat möglich. Die hat die AFD in Sachsen erreicht, somit könnte die AdP (Alternative durch Petry) mit diesen 3 Mandaten eine Bundestagsfraktion bilden. Es müssten nur noch die 2 anderen Sächsischen Mandatsträger mitziehen.
Ein Parteiaustritt, wie ihn Frau Petrys Gatte Herr Pretzell gerade angekündigt hat, ist gleichbedeutend mit Nichteinzug in den Bundestag. Denn die Verhältniswahl wird der Partei zugesprochen. Da gibt es nichts zum mitnehmen. Also egal wie viele AFD Mitglieder noch austreten werden. Der AFD bleiben minimal 91 Plätze im BT erhalten. Mit welchem Personal die Plätze aufgefüllt werden, bleibt abzuwarten. Hinsehen will ich aber nicht.

Des Kanzleramtschefs Demokratieverständnis

Da erklärt uns also der Kanzleramtschef folgendes:

„Die AfD spaltet unser Land. Sie nutzt die Sorgen und die Ängste der Menschen aus. Und deshalb glaube ich, dass eine Stimme für die AfD – jedenfalls für mich – nicht zu rechtfertigen ist.“

Die Zeit schreibt weiter:

Er plädiere zwar nicht für das Nichtwählen, sagte Altmaier. Er sei aber dafür, dass die Parteien gewählt würden, die „staatstragend“ seien. Im Übrigen glaube er, dass auch die Linke keine Partei sei, „die die Stabilität unseres politischen Systems befördert“.

Es gibt in Deutschland freie Wahlen. Einer dieser wichtigen Grundanken einer funktionierenden Demokratie. Aber wenn der deutsche Wähler nicht die „Richtigen“ wählt, dann soll er es lieber lassen.

Dann möchte Herr Altmaier, dass die Partei „staatstragend“ ist, welche der mündige Bürger wählen darf. Ich verstehe unter staatstragend, dass eben diese staatstragenden Parteien die Bundesrepublik Deutschland exakt an die Stelle geführt haben, wo sie jetzt steht. Der AFD und der LINKEN spricht er diese Eigenschaft ab. Heißt also im Umkehrschluss, dass CDU, CSU, SPD, FDP und GRÜNE staatstragend sind. Die hat er ja nicht ausgeschlossen. Also dass genau diese nicht genannten Parteien für die Fortsetzung der aktuellen deutschen Politik verantwortlich sind. Das von diesen Parteien keine Gefahr droht, vom eingeschlagenen Weg abzuweichen.

Auf die Wahl verzichten soll man, wenn die zur Wahl stehenden Parteien vom eingeschlagenen Weg abweichen könnten. Also AFD und die LINKE. Von der Wahl nicht abgeraten hat er übrigens die NPD Wähler. War bei dieser Partei nicht schon das zweite Verbotsverfahren gescheitert? Wie viele Verbotsverfahren sind bei AFD und LINKE gescheitert? Ja, die NPD und alle anderen unter 5% Parteien kann man ruhig wählen. Gibt ja nicht umsonst so viele zugelassene Parteien, wie niemals zuvor. Da verteilen sich die Stimmen ganz gut. Und unter 5% gewählt, ist gleichbedeutend mit ungültig gewählt, ist gleichbedeutend mit nicht gewählt. Also wäre da der Forderung nicht zu wählen Folge geleistet. Lesen sie einfach nochmal hier nach, warum das so ist.

Warum fordert Herr Altmaier AFD und LINKE bezüglich lieber nicht zu wählen? Logisch, jede abgegebene Stimme für die beiden Parteien ist eben ein Stimme für diese Parteien. Jeder Nichtwähler, ungültig Wähler und unter 5% Wähler verteilt seine Stimme nicht an die eine ganz ganz böse Partei, die aber sowas von überhaupt nicht gewählt werden darf, sondern an die letztendlich im Bundestag vertretenen Parteien. Und den prozentual größten Anteil bekommt natürlich nicht die kleinste vertretene Partei, sondern die größte vertretene Partei. Wie es nach der #BTW17 aussehen wird, werden wir amtlich am 25.09. sehen. Wer am meisten von einer nicht abgegebenen, ungültig abgegebenen oder unter 5% abgegebenen Stimme profitiert hat möchte ich anhand der Wahl 2013 zeigen. Eine solche Stimme ging zu 49,3 % an CDU, 30,6 % an SPD, 10,1 % an die LINKE und 10,0 % an die GRÜNEN. Gar nicht mal so dumme Wahlenpfehlung von Herrn Altmaier, natürlich nur für die CDU. Denn diese Werte bedeuteten für CDU/CSU + 7,8 %, SPD + 4,9 %, LINKE +1,5 %, GRÜNE + 1,6 % zum amtlichen Endergebnis.

Mir hat Herr Altmaier eine Wahlempfehlung gegeben.

  1. Wählen gehen.
  2. Eine der namentlich genannten Parteien wählen.